"Als Adam pflügte und Eva spann,

 wo war da ein Edelmann?"

 

Jedem dürfte verständlich sein, dass der Alltag des Mittelalters sicherlich nicht so schön und glorreich gewesen ist, wie es uns die Instrumente der "modernen Welt" glauben machen wollen. Das Leben damals war schwer und entbehrlich, zumindest für den größeren Teil der Bevölkerung, das "gemeine" Volk.

Als Grundform eines Bauernheims ist ein eingezäunter Hof zu nehmen, in dem sich die Wohn- und Wirtschaftsräume vereinigt befinden. In gewisser Hinsicht konnte also auch der Bauer das englische: My house is my castle auf sich anwenden. In der Zeit vor Karl der Große, als die Landwirtschaft noch sehr danieder lag, waren auch die bäuerischen Behausungen sehr elend. Einzelne haben sich bis zum 16. Jahrhundert in ihrer ärmlichen Gestalt erhalten; es waren dies die Hütten der Armen. Das Haus war aus Baumstämmen roh zusammengezimmert, die Fugen füllte man mit Lehm aus und deckte das Ganze mit Stroh.

Die ältesten Hütten hatten keine Fenster, um der Kälte des Winters zu wehren; die Bewohner derselben waren genötigt, auch ihre Haustiere in dieselben aufzunehmen. Als sich der Landbau (im 10. Jahrhundert) zu entwickeln begann, nahmen auch die Bauernhäuser eine menschenwürdigere Gestalt an. Das eigentliche Wohnhaus erhielt neben einem umfangreichen Gemach, in dem sich die Familie versammelte, mehrere Nebenräume, die zu Schlafstätten oder Vorratskammern dienten. Wir finden hier also eine Nachbildung des Schlossgebäudes in alten Burgen, nur dass man das große Gemach nicht einen Saal nennen kann. An dieses Wohngebäude schlossen sich die Stallungen, Getreidekammern und andere Wirtschaftsräume an. Da diese Bauernhöfe ursprünglich in Verbindung mit den zu ihnen gehörigen Äckern standen, so bildeten sie abgesonderte Weiler und wenn sich später auch Hütten der Ärmeren in ihrer Nähe anpflanzten, so nahm man doch nie in der Anlage Rücksicht auf das Bestehende. Jeder stellte sein Haus nach Gutdünken, wie es ihm eben passte, dahin und diese Willkür der Anlage ist allen alten Bauernhöfen eigen und hat sich bis auf die Gegenwart vererbt.

Im Früher Mittelalter begannen die Bauern neben ihrem Besitztum auch Obstgärten anzulegen, in einzelnen Gegenden, wie an der Mosel, am Rhein, auch Weinberge. Auf den Äckern wurden die gewöhnlichen Getreidearten unserer Zone, Weizen, Roggen, Gerste und Hafers angebaut, daneben auch Erbsen, Linsen, Rüben, Bohnen und Flachs. Von Zuchttieren werden neben Schafen auch Schweine, Rinder und Pferde genannt. Hühner, Gänse und Enten vermehren den Bestand der Haustiere.

Wenn keine Hungersnot war, keine Pest und keine Kriege das Land heimsuchten, so war der Anblick eines reichen Bauernhofes immerhin ein recht erfreulicher. Leider dezimierten oben angegeben Lasten bedeutend diesen Segen.

Bei allem Reichtum des Ertrages, der Frucht harter anstrengender Arbeit, war der Bauer genötigt, recht erbärmlich zu leben und das Geflügel, dass er zog, der Nutzen, den Kühe, Bienen und Schafe brachten, musste nach auswärts wandern und er mit dem geringen Überschuss vorlieb nehmen. Gerstenbrei, Kraut, Erbsen und Linsen, zuweilen ein Stück Fleisch, das waren die fast alltäglichen Speisen, welche auf den Tisch des reicheren Bauern kamen. Wie armselig mag erst die Kost der unbemittelten gewesen sein. Ein Bauer Rüdiger bat, wie uns Seifried Helbling erzählt, seine Frau, ein Stück Rauchfleisch ins Kraut zu legen. Diese tat also, hing aber das Stückchen Fleisch an einem Faden auf, nahm es dann wieder heraus, um das Kraut mehrmals damit fett zu machen.

Auch die Tracht war ärmlich; schon ein Gesetz Karls des Großen schrieb den Bauern die Kleidung vor: Graue oder schwarze Röcke, rindslederne Schuhe. Während der Arbeit auf dem Felde konnten sie ohnehin einen langen Rock nicht brauchen. Aber das Gesetz war da, um übertreten zu werden; die armen Bauern konnten natürlich ihre Gewandung nicht oft wechseln und die reichen setzten sich über das Gesetz hinweg und unter diesen, besonders den jüngeren, gab es Stutzer, die ihre Kleider in ihrer Weise aufputzten, mit allerlei Stickereien versahen, so auch auf den Hauben gestickte Tauben oder Papageien anbrachten. Überdies hingen sie, wenn sie zum Tanz gingen, an den Staatsrock recht viel Schellen an. Es war den Bauern auch das Tragen von Waffen verboten, damit bei den üblichen Raufereien kein Menschenleben in Gefahr komme. Aber das Verbot machte die Bauern nach Waffen um so lüsterner und schon, um sich den Rittern und Vornehmen gleichzustellen, gehörte ein Schwert zu den höchsten Wünschen eines Bauernsohnes. So mancher verließ die väterliche Hütte und verdingte sich auf der Burg als reisender Knecht, nur um das Schwert an der Seite tragen zu können.

Auch die Tracht der Bauernfrauen war einfach; Röcke von grobem Tuch, eine Jacke, ein Tuch, das den Kopf einschloss und die Tracht war fertig. Dass sich Bauernmädchen mehr aufputzten, ist natürlich; hierin blieben sich die Töchter Evas immer und überall gleich. Wir haben oben erwähnt, dass dem Bauern das wenigste von dem, was ihm die Landwirtschaft einbrachte, zum eigenen Verbrauch blieb. Dasjenige, was Zinsen und Fronen nicht verzehrte, ging in die Stadt, um hier auf dem Markt zu Gelde gemacht zu werden. Die Bauern sind die Proviantmeister der Städte. Da bringt der Bauer seine Kälber, Schweine, Gänse, Tauben und Hühner dahin; da wird er auch von der Bäuerin begleitet, welche Milch, Butter, Käse oder Eier hinschleppt, um mit dem Erlöse dafür Notwendiges fürs Haus einzukaufen.

Das Raubrittertum mag den Bauern schließlich alle Geduld geraubt haben, dazu kamen Karlstadts Hetzereien und die missverstandene, schlecht gedeutete Lehre Luthers von der Geistesfreiheit des Menschen; sie hörten nur das Wort Freiheit und glaubten, jetzt sei ihre Zeit gekommen, sich von der vielhundertjährigen Last zu befreien. Wie groß muss die Ernüchterung gewesen sein, als sie endlich trotz tapferer Wehr unterlagen, um so größer, als die Sieger kein Mittel besaßen, die Unterdrückten zu versöhnen.

 

Das Innere der Wohnung des gewöhnlichen Bürgers hatte in frühester Zeit eine recht einfache Einrichtung. Auf häusliches Behagen, auf Tand und Zier, auf ruhiges Hinleben im Kreise der Familie verwandte er bis dahin verhältnismäßig wenig Sorgfalt; ihn beschäftigte sein Gewerbe, dessen Betrieb er gern über weitere Kreise ausdehnte, sein Stand, an den sein Wohl und Wehe geknüpft war, und die Stadt, mit der er stand und fiel.

Aber je kunstvoller das Handwerk ausgebildet wurde, desto reichhaltiger begann auch die innere Ausstattung der Wohnhäuser zu werden. Ein Wohnzimmer aus einem deutschen Bürgerhaus des 15. Jahrhunderts hatte schon ein recht behäbiges und wohnliches Aussehen.

Es könnte unter anderem so ausgesehen haben: Die Decke ist in Holz reich geschnitzt und in Felder geteilt; auch die Wände sind mit einer Holztäfelung versehen, die reiches Schnitzwerk aufweist. Die Fenster bilden tiefe Nischen in den dicken Mauern und sind aus kleinen runden oder viereckigen, in Blei gefassten Scheiben gebildet, die entweder in der Mitte erhöht (Butzenscheiben) oder bunt bemalt sind und mannigfache Wappenschilder in verschiedenen Farben zeigen.

Die eine Wand ziert ein großer Kachelofen, dessen Gesims mit mancherlei Krügen, Tellern und Leuchtern bestellt ist. Rings an den Wänden und um den Ofen ziehen sich Bänke hin, mit Kissen oder Decken belegt. Der große Tisch, auf gekreuzten oder starken, runden Beinen ruhend, wird zur Essenszeit mit einem Tischtuch bedeckt, das in Falten bis zur Erde herabreicht. Einzelne Stühle mit geschweiften Lehnen, auch wohl mehrsitzige Bänke mit Rückenlehnen füllen das Zimmer. An der Wand erblickt man Börter und Gesimse (Tresuren), die mit tönernen, kristallenen, zinnernen, auch wohl goldenen und silbernen Schalen, Krügen und Leuchtern besetzt sind.
Auch auf dem geräumigen, kunstvollen Anrichtetisch und dem Schranke finden sich diese Gerätschaften. Eine selbstverschlossene Truhe, die zugleich einen gepolsterten Sitz darbietet, steht neben dem Fenster. Zur Beleuchtung dienen kunstvolle schmiedeeiserne, zinnerne oder messingene Leuchter, die mit Wachslichtern besteckt werden.

Die Tischgeräte waren insofern von den unsrigen verschieden, als man sich noch keiner Gabeln bediente. Erst seit dem 16. Jahrhundert wurden sie gebräuchlich und bestanden anfangs aus einer Art Zange. Auch waren, wenn man nicht das eigene Taschenmesser benutzte, nicht immer so viele Messer vorhanden, als Tischgäste da waren; man reichte sie einander umher. Die Finger mussten soviel wie möglich Messer und Gabel ersetzen; festere Speisen führte man stets mit den Fingern zum Munde. Deswegen wurde in besseren Häusern vor und nach dem Essen Wasser zum Waschen der Hände herumgereicht.

Die Schüsseln und Teller waren meistens aus Zinn, bei Reicheren auch wohl aus Silber; der gemeine Mann aß aus hölzernen Schüsseln. In der älteren Zeit diente ein Stück Brot als Teller, das dann zum Schluss der Mahlzeit verzehrt wurde. Man trank in der älteren Zeit (Antike) aus Hörnern, später aus Bechern von Gold, Kristall, Zinn oder Holz und schenkte den Wein aus großen Kannen. Der Wein war Volksgetränk; daneben trank man Bier, das in jeder größeren Haushaltung gebraut wurde. Auch Met, aus Honig bereitet, und Apfelmost, sowie nach den Bauernkriege auch Branntwein bildeten die Getränke.

Die Gerichte waren von den unsrigen in den meisten Fällen sehr verschieden; auch liebte man, bei Festlichkeiten oder besonderen Gelegenheiten recht vielerlei Speisen auf den Tisch zu haben. So hieß ein Speisezettel bei einem kirchlichen Feste um das Jahr 1300: Als erster Gang: Eiersuppe mit Safran, Pfefferkörnern und Honig, ein Hirsegemüse, Schaffleisch mit Zwiebeln, ein gebratenes Huhn mit Zwetschen; als zweiter Gang: sauer gesottene Speisefische, gebackene Barbe, kleine Vögel, in Schmalz hart gebacken, mit Rettich, eine Schweinskeule mit Gurken.

So wurden manchmal ganze Pfauen mit ihrem prächtigen Gefieder und mit ausgebreitetem Schweife auf die Tafel getragen, die, nachdem sie gebraten waren, mit ihrem Gefieder wieder besteckt worden waren. Aus Kuchenteig formte man mächtige Burgen, große Schiffe u. dgl. Bei einem Gastmahl, das Erzbischof Albrecht von Bremen vielen geistlichen und weltlichen Herren in Hamburg gab, kamen vergoldete Häuser, Türme und Berge auf die Tafel; darin befanden sich Pfauen, Schwäne, Hühner und anderes Geflügel, ungerupft gekocht und gebraten und doch äußerst schmackhaft! Brot und Fleisch waren die Hauptteile einer Mahlzeit; als Zukost zum Brot gebrauchte man wie heute Butter und Käse; daneben war Schmalz, das man beim Zurichten der Speisen nur ungern entbehrte, ein Hauptstück in jeder Vorratskammer und ein wichtiger Gegenstand des Handels.

Fleisch, das stets stark gewürzt war, bildete den Mittelpunkt der Mahlzeit; besonders liebte man Pfeffer als Gewürz. Dieser war darum ein sehr bedeutender Handelsartikel; Pfeffer musste von Kaufleuten, die überseeische Waren einführten, als Zoll entrichtet und als Steuer dargebracht werden; ein Pfund Pfeffer reichte in einer mittelalterlichen Haushaltung nicht weit. Gemüse aß man wenig, oft nur in Zeiten besonderer Teuerung. Viel Fleischspeisen hießen geradezu Pfeffer. Man vergleiche die Redensart: Da liegt der Hase im Pfeffer.

Natürlich war die Einrichtung in den Bürgerhäusern nach ihrer Reichhaltigkeit sehr verschieden und richtete sich stets nach dem Wohlstand ihrer Besitzer. Aber dass auch im Mittelalter bereits große Pracht in der Ausstattung bei vermögenden Bürgern herrschte, zeigt uns folgende Beschreibung von dem Wohnhaus des reichen Kaufmanns Anton Fugger in Augsburg (1531):
"Welche Pracht ist nicht in Anton Fuggers Haus! Es ist an den meisten Orten gewölbt und mit marmornen Säulen gestützt. Was soll ich von den weitläufigen und zierlichen Zimmern, den Stuben, Sälen und dem Kabinett des Herrn sagen, das sowohl wegen der vergoldeten Gebälkes, als der übrigen Zierraten das aller schönste ist. Es stößt daran eine dem heiligen Sebastian geweihte Kapelle mit Stühlen, die aus dem kostbarsten Holze sehr künstlich gemacht sind. Alles aber zieren vortreffliche Malereien von außen und innen. Raymund Fuggers haus ist gleichfalls königlich und hat auf allen Seiten die angenehmste Aussicht in Gärten. Was erzeugt Italien für Pflanzen, die nicht darinnen anzutreffen wären; was findet man darin für Lufthäuser, Blumenbeete, Bäume, Springbrunnen, die mit Erzbildern der Götter geziert sind. Was für ein prächtiges Bad ist in diesem Teil des Hauses! Alle Türen des Hauses gehen aufeinander bis in die Mitte, so dass man immer von einem Zimmer ins andere kommt."

Ein anderer Chronist schildert einen Besuch in den fuggerschen Hause folgendermaßen: " Es führte uns der Herr Fugger im Hause herum, was ein gewaltig großes Haus ist, dass der römische Kaiser auf dem Reichstage mit dem ganzen Hofe Raum darin hätte. Wir kamen in ein Türmlein, worin uns von Ketten, Kleinodien und Edelgesteinen, auch von seltsamer Münze und Stücken Goldes, wie Köpfe groß, ein solcher Schatz gezeigt wurde, dass er über eine Million wert war. Hernach schloss Herr Fugger einen Kasten auf, der lag bis zur Decke voll von Dukaten und Kronen; die gab er auf 200 000 Gulden an. Darauf führte er uns auf dasselbe Türmlein, das von der Spitze an bis zur Hälfte hinunter mit lauter guten Talern bedeckt war. Man sagt, der Herr Fugger hätte soviel, dass er ein Kaisertum bezahlen möchte."

Das Haus- und Familienleben eines Bürgers im Mittelalter hatte bei aller seiner Einfachheit Reize, um die es von jedem unserer Zeitgenossen mit Recht beneidet werden kann, der sich in seinen vier Pfählen nicht wohl fühlt. Der Hausvater war alleiniger Herr in seinem Hause und gebot darin unbeschränkt; keine fremden Verhältnisse, keine Rücksichten der Mode, keine unaufhörlichen Besuche störten die von ihm festgesetzte Ordnung. Seine Hausfrau, die gebietende Herrin in Küche, Keller und Speisekammer, war nicht weniger streng als er, konnte aber auch die Ordnung leicht aufrecht erhalten, denn sie verlebte nicht, wie es in unserer Zeit wohl geschieht, den größeren Teil ihrer Zeit außer dem Hause.

Kinder und Gesinde wurden in strengem Gehorsam gehalten; dafür aber standen sie auch dem herzen ihrer Eltern und Herren nicht fern. Keine Gastereien, keine Tee- und Spielgesellschaften unterbrachen die Ruhe und Ordnung des Hauses; nur nahe Freunde kamen zu einer Mahlzeit oder zu einem Trunk zusammen, und größere Familienfeste, bei denen dann allerdings in der Regel ein ungewöhnlicher Aufwand an Speisen und Getränken gemacht wurde, feierte man nur bei besonderen Veranlassungen, wie Hochzeiten, Taufen u. dgl. So ist es nicht zu leugnen, dass das häusliche Leben eines Bürgers selbst aus den vornehmeren Klassen nach heutigem Geschmack für gewöhnlich ziemlich einförmig war. Aber gerade diese Einförmigkeit, diese Ordnung und Ruhe war damals Bedürfnis. Das häusliche Leben der Bürger im Mittelalter mag nach den heutigen Begriffen von Zerstreuung und Bequemlichkeit nicht besonders ansprechend erscheinen; jedenfalls war es genügsamer und innerlicher, als es heute ist.

Der Mann trieb sein Geschäft mit Eifer und Liebe; es nahm den größten Teil der Tageszeit hin, und die Abendstunden verbrachte er gern im Kreise seiner Familie an der Seite seiner Hausfrau. Nur die gemeinsamen, öffentlichen Zerstreuungen, die bei Gelegenheit der jährlichen Schützenfeste, Jahrmärkte usw. dargeboten wurden, unterbrachen zeitweilig die Ruhe des häuslichen Lebens. Hin und wieder besuchte der Hausvater auch wohl abends die "Trinkstube" der Geschlechter oder das "Zunfthaus"; jedoch, wenn nicht besondere Feste dort abgehalten wurden, befand er sich, sobald die "Ratsglocke" ertönte, im Sommer um die neunte, im Winter um die achte Abendstunde wieder daheim; es galt für unanständig, ohne besondere Veranlassung länger auswärts zu sein.

Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, dass im Mittelalter die Preise für Lebensmittel sämtlich viel niedriger gewesen seien als in unserer Zeit, und dass daher der Lebensunterhalt leichter zu erschwingen gewesen sei. Freilich ist es nicht leicht, den durchschnittlichen Preis der zum Leben notwendigen Dinge für die einzelnen Jahrhunderte oder für das Mittelalter überhaupt festzustellen; aber im allgemeinen lässt sich sagen, dass die mittelalterlichen Preise von den unsrigen nicht allzu sehr abweichen. Das oft gebrauchte Wort von der "guten, alten Zeit" wird auch in dieser Beziehung bei näherer Betrachtung zu einer recht inhaltslosen Phrase. Einige Beispiele werden das erläutern. Die gewöhnliche Münze war im späteren Mittelalter der Gulden zu 21 Groschen.

Um 1519 kostete, wie eine handschriftliche Aufzeichnung meldet, in Wittenberg ein Scheffel Roggen 12, ein Scheffel Gerste 15 und ein Scheffel Weizen 23 Groschen. Für diese drei Scheffel zahlte man 1880 daselbst etwa 40 Reichsmark. Um einen ungefähren Eindruck des Geldwertes zu bekommen schaut doch mal auf dieser Seite hier nach.


Nun kosteten damals 1 Unze Pfeffer 14 Groschen; 1 Unze Zucker 3 Groschen und 4 Pfennige; 1 Unze  Reis 1 Groschen und 1 Pfennige; 1 Unze  Rindfleisch 4½ Pfennige; 1 Unze Schweinefleisch 10 Pfennige; 1 Elle Tuch 5 Groschen; 1 Elle schwarzen Atlas 23 Groschen; 1 Elle Samt 46 Groschen

Charakteristisch sind auch die Löhne. Im Jahre 1379 gab man in Nürnberg an Tagelohn 2 Schilling. In Ulm bekam 1425 eine Dienstmagd jährlich bis zu 6 Ulmer Pfennige und 6 Ellen Tuch; ein Kindermädchen erhielt 2 Ulmer Pfennige und 4 Ellen Tuch, ein Ackerknecht empfing 12 Ulmer Pfennige. In Nürnberg bezog um das Jahr 1400 der Stadtschreiber ein Gehalt von 60 Gulden jährlich, also etwa 1200; Martin Luthers Einkommen als Universitätslehrer betrug 300 Gulden.

 

Der freie reiche Grundbesitzer saß in alter Zeit in stolzer Behäbigkeit auf seinem Grund und Boden. Wenn die Ernte seiner Felder reich ausgefallen ist, wenn die Haustiere gedeihen, keine Pest das Land heimsucht, so ist er ein gemachter Herr, wenn ihm der Adel auch diesen Titel nicht zuerkennt. Freilich legt er auch selbst überall mit Hand an und schämt sich der Arbeit nicht, auch wenn er über viele Knechte gebietet. Dies gilt insbesondere für einzelne Landstriche, wie die Schweiz, in den Marschen der Nordsee, auch in der Ostmark, kurz in den Ländern, wo der Adel nur spärlich hauste und nicht mit vereinter Kraft auf ihn einen harten Druck ausüben konnte. Es dauert freilich nicht lange diese Herrlichkeit, denn die Gesetze der Könige legten ihm verschiedene und große Lasten auf und wo diese nicht zu erschwingen waren, drohte ihm das Gesetz mit harten Strafen und oft ging die Frucht seines Fleißes eines ganzen Jahres in Kassen, aus denen ihm nichts zu holen möglich war.

Da gab es Zehnten, Waffendienst, Lieferungen und Vorspann bei Reisen des Königs und seiner Beamten. Da fand der Bauer kein Erbarmen, kein Recht und wenn er sich wehren wollte, wurde er selbst körperlich hart gequält. Es musste die Bedrängnis schon einen hohen Grad erreicht haben, wenn sie ihn zur offenen Empörung gegen seine Peiniger entflammen konnte. Und diese wäre im 16. Jahrhundert kaum von solcher Ausdehnung gewesen, wenn sie nicht das Beispiel, der glücklich ausgefallene Aufstand der Schweitzer gegen ihre Zwingherrschaft ermutigt und mit Hoffnung auf einen ähnlichen Erfolg erfüllt hätte.

  

Das Leben auf einer Burg war weit weniger romantisch als in unseren Vorstellungen. Die Räume konnten nur unzureichend geheizt werden und durch viele Ritzen pfiff der Wind. Über den Boden huschten oft Ratten und Mäuse. Man wusch sich nur in unregelmäßigen Abständen und auch nur dort wo es "nötig" war. Ein warmes Bad war, wegen des teuren Brennholzes, eh nur dem Burgherren vorbehalten.
Eine Plage war in einer Burg auch weit verbreitet: Läuse!. Meist mehrmals täglich wurden sie ausgekämmt. Geschlafen wurde auf dem Fußboden oder in einem Himmelbett, das von allen Seiten verschlossen werden konnte, da es überall zog. Die Kinder schliefen gemeinsam in einem Bett, oft auch zusammen mit den Erwachsenen. Geschlafen wurde meist nackt. Als Beleuchtung dienten lange Kienspäne, die an der Wand in Eisenringen steckten Es gab auch kleine Talglampen, in denen Tierfett verbrannt wurde.

Das Essen war meist nicht sehr abwechslungsreich, besonders im Winter. Hauptnahrungsmittel waren: Brot, Brei (Erbsen-, Hirsebrei und Hafermus), Eier, Milch und Käse. Fleisch war ein Festtagsspeise. Aus dem Burggarten gab es im Sommer noch Erbsen, Linsen, Bohnen, Kohl, Rüben, Fenchel, Sellerie und Lauch. Getrunken wurde meist Quellwasser, Milch, Wein und Bier, das auch die Kinder tranken. Gekocht wurde auf dem offenen Herdfeuer in großen Kesseln, die meist an einem Schwenkarm über dem Feuer hingen

 

So vereint der Sonntagnachmittag die Jugend unter der Dorflinde, die alten Mütter und Väter kommen auch herbei, um sich an den Spielen und dem Gesang der Jugend zu ergötzen. Da erscheint, wie gerufen, ein Fiedler und schon ist alles zum Tanz bereit. Bald ist der große Reihen geordnet, Tänzer und Zuschauer stimmen im Chor den Gesang an, zu dessen Rhythmus sich die Tanzenden im Kreise bewegen. Zuweilen wird der Tanz recht bewegt, sogar frei nach unseren heutigen Begriffen. Die Kirmes bildet besonders die Gelegenheit zu den übermütigen Tänzen, wie auch die Hochzeitsfeste. Zu den wilden Tänzen wird insbesondere der Hoppedei oder Hopelrei gehören; bei diesen zeigten die Burschen ihre Kraft, indem sie die Tänzerinnen hoben, dass diese die Röcke hinauf flogen und die Paare mit den Köpfen zusammenstießen. Neidhardt beschreibt oft die Bauernfestlichkeiten und deren Tänze.

Als im 14, Jahrhundert von Italien aus das Kartenspiel Eingang in deutschen Gauen fand und sich der deutsche Holzschnitt der Sache bemächtigte und die sonst mühsam gezeichneten Spielkarten mittels Druck vervielfältigte und darum ihren Preis erniedrigte, hatten auch die Bauern bald diese Art Glücksspiele gelernt und die Stunden der Ruhe mit denselben totgeschlagen. Die Obrigkeit mochte die Kartenspiele verbieten, soviel sie wollte, das Verbot gab dem Spiele größeren Wert und Reiz. Dass in der Natur des Spieles die Gefahr eines Zwistes und Streites lag, ist leicht begreiflich und alte Darstellungen legen darum auf dieses bedauerliche Finale den Nachdruck.

Die Kirchweih oder Kirmes war für den Bauer das größte Fest des Jahres; ein solches musste mit seinen Genüssen und Freuden ihn für alle Plagen des ganzen Jahres schadlos halten. Küche und Keller mussten den Tisch reichlich versorgen. Wie es bei einer Bauernhochzeit herging, darüber besitzen wir einen Bericht aus dem 14. Jahrhundert. Bei Kirmessen wird es nicht anders zugegangen sein. Der Hochzeitsschmaus begann mit Weißbrot, dann folgte Hirsebrei, Rüben mit Speck, Würste und Bratmus. Den folgenden Tag wird die Schmauserei fortgesetzt. Auch der Bauer will Abwechslung haben; es werden jetzt Erbsen mit Kraut, Gerste, Linsen und Würste aufgetragen. Das über Maß genossene Getränk macht die Festgenossen zanksüchtig, es kommt zum Streit, zur Schlägerei, zu Verwundungen. Nach der menge der letzteren bemisst man den Glanz des Festes.

Der Bauernstand war von jeher konservativ; einmal eingewurzelte Gebräuche hielten sich jahrhundertelang fast ganz unverändert. Die Feste mit ihren Freuden nicht minder. Wir werden uns daher nicht wundern, wenn auch im 16. Jahrhundert eine Kirmes ganz dasselbe Bild bot, wie im 14. Hans Sachs beschreibt recht drastisch eine Bauernkirchweih in Megeldorf, der er selbst (1528) beiwohnte und die in gleichem Charakter sich abspielte. Auch hier wieder am Schlusse beim Tanze wegen eines Bauernmädchens Streit und Kampf.

  

Volksbelustigungen im Mittelalter 

Der wachsende Wohlstand und die Macht der Städte im Mittelalter beförderten auf mancherlei Weise den Sinn für geselligen, heiteren Lebensgenuss. Gar mannigfaltig waren daher die Erholungen und Zerstreuungen, die dem arbeitsamen Handwerker winkten, wenn er Hobel, Nadel und Walkmesser aus der Hand gelegt, oder dem wohlhabenden Kaufmann, wenn er von seinen gefahrvollen Reisen reichen Gewinn glücklich heim gebracht hatte.

Wie die Ritter ihre Turniere, so feierten die Schützengilden in den Städten ihre Schützenfeste. Draußen vor dem Stadttore auf der Bürgerwiese erhoben sich buntbewimpelte Zelte, die allerlei Schmuckflaschen und Leckerbissen feil boten oder die Schaulustigen durch verlockende Bilder und vielversprechende Anpreisungen einluden, einzutreten und die seltsamen Tiere aus fernen Ländern zu besehen. Ein buntes, wimmelndes Jahrmarktstreiben wogte um die Schießstätte her. "Offene Spiele", Wettkämpfe im Laufen, Springen und Steinwerfen, waren für Frauen und Knaben eingerichtet. "Glückstöpfe" waren ausgestellt, der Anfang unserer Lotterien. Jeder konnte gegen geringe Einzahlung einen Zettel ziehen; wer Glück hatte, erhielt einen Gewinn.

Daneben ertönten in anderen Zelten lustige Weisen der Zinken, Schalmeien, Querpfeifen, Trommeln, Dudelsäcke und Posaunen, nach denen frohe Paare sich lustig im Tanze schwangen. Würfelspiel und Becherklang, Singen und Jauchzen erschallte. Auf der einen Seite des großen Platzes ist eine lange Bahn durch Seile abgesperrt; am Ende erhebt sich eine Scheibe, die den ferne stehenden Schützen zum Ziele dient, oder eine hohe Stange trägt den Vogel, den man mit sicherem Schuss herunterzuholen bemüht ist. Die ganze Stadt, jung und alt, vornehm und gering, nimmt an dem Feste teil. Von ferne her sind die fremden Schützen herbeigeeilt, um die Preise zu werben, die je nach dem Treffer, den ein Schütze getan hat, verteilt werden. Goldene und silberne Pokale, kostbare Ketten und Armbänder, wertvolle Tücher und Kleider, die als Preise für den besten Schützen bestimmt sind, werden in einem besonderen Zelte ausgestellt und locken viele Neugierige heran.

Während die Schützen Schuss auf Schuss aus der Armbrust oder der Kugelbüchse abgeben, hält der Pritschenmeister, in Narrentracht gekleidet, mit seinem breiten Holzschwert, das klatschend auf den Rücken der Umstehenden nieder fährt, Ordnung unter den Zuschauern, besingt die besten Schützen in launigen Versen und verspottet den Ungeschickten. Plötzlich ertönt ein ein lautes Beifallsrufen: der Meisterschuss ist getan; die Mitte der Scheibe ist getroffen, der Vogel von seiner Stange heruntergeholt. Jetzt ordnen sich die Schützen zum festlichen Einzug in die Stadt. In bunte Uniformen gekleidet, voran der Hauptmann mit gezogenen Degen, in der Mitte der neue "Schützenkönig", kenntlich an der breiten, goldenen Ehrenkette, dahinter der Fähnrich mit der Fahne: so ziehen die Schützen, umgeben von einer zahllosen Menge, durch das altersgraue Stadttor, um das Fest mit einem munteren Gelage in dem großen Rathaussaale zu beschließen.

Die "Schützengesellschaften" entstanden meistens um die Mitte des 14. Jahrhunderts und haben sich zum Teil bis auf unsere Zeit erhalten. Fürsten und Könige begünstigten sie, bestätigten ihre "Schützenordnungen" und beschenkten sie mit mancherlei Vorrechten. Die zweckmäßige Einrichtung einer Schützenbrüderschaft und der Waffenübungen der Bürger waren in Zeiten der Gefahr gar oft von großer Bedeutung für die Sicherheit der Stadt und des Landes.

Auch Reichstage, Kirchenversammlungen, Einzüge fürstlicher Persönlichkeiten und Jahrmärkte waren von jeher eine willkommene Veranlassung zu allerlei Kurzweil. Auf die Schaulust des Volkes spekulierten bei diesen Gelegenheiten namentlich die "fahrenden Leute", die, unstet von Ort zu Ort ziehend, mit ihren mannigfaltigen Künsten die Vorgänger unserer heutigen Mess- und Jahrmarktskünstler waren. Unter ihnen waren die verschiedensten Gattungen vertreten: Kunstreiter, die abgerichtete Pferde vorführten, Bärenführer, die ihre plumpen Zöglinge zum lebhaftesten Erstaunen des gaffenden Volkes Tänze aufführen ließen, Taschenspieler, die Feuer fraßen und sonstige Kunststücke zu machen verstanden, wie sie heute noch von Jahrmarktskünstlern gezeigt werden, Krafthelden, die sich in allerlei körperlichen Kraftproduktionen zeigten, auch wohl paarweise als Fechter auftraten und sich für klingende Münze blutige Wunden schlugen, Puppenspieler , die ihre Puppen an Fäden bewegten und ihnen reden in den Mund legten, Possenreißer und Tänzer, vor allen aber Musikanten, die mit ihren Harfen und Fiedeln, Trompeten, Pauken und Flöten bei keiner öffentlichen Belustigung fehlen durften.

Alle diese Leute bezeichnete man mit dem Namen"Spielleute". Wenn man bei dieser Bezeichnung auch nicht ausschließlich an das Spielen musikalischer Instrumente denken darf, so waren unter jenen Leuten doch vorzugsweise diejenigen vertreten, welche als "Sänger" oder "Pfeifer" bei Hofe und an den Straßen, auf Ritterburgen und in Bauernhöfen, kurz überall, wo man sie hören wollte, und wo man bereit war, ihre Mühe mit einem guten Gericht, einem kühlen Trunk, einem abgetragenen Kleide zu vergelten, ihre Weisen ertönen ließen. Es waren die Nachfolger jener "ritterlichen Leute", welche die Kunst des Gesanges zur Zeit der Blüte des Rittertums gepflegt hatten und an Fürsten- und Ritterhöfen stets willkommen gewesen waren.

Das "fahrende Volk" der "Spielleute" aber gehörte meist einer ärmeren Klasse an; sie nahmen bei der Wahl ihrer Zuhörer wenig Rücksichten, und wie gern gesehen sie auch überall waren, standen sie doch nicht sonderlich in Achtung. Liederliches Leben, Trunksucht und dergleichen mochte man wohl manchen unter ihnen nicht ohne Grund zum Vorwurf machen. Der in den Augen des Volkes ihnen anhaftende Makel war: sie nahmen Gut für Ehre; sie gaben für das Gut, das sie empfingen, gleichsam ihre Ehre dahin und wurden darum in den deutschen Rechtsbüchern für ehrlos erklärt. Deshalb ist es begreiflich, dass in einer Zeit, worin fast alles zu Zünften und Innungen zusammentrat, auch diese Leute sich eng aneinander anschlossen. Im Elsaß traten sie zu einer wirklichen Genossenschaft zusammen; ein Herr von Rappolstein übernahm das Patronat über die lustige Zunft, und Kaiser Friedrich III. bestätigte ihn. Jetzt waren die Pfeifer und Geiger im Elsaß eine anerkannte Genossenschaft mit Brief und Siegel; niemandem im Lande außer ihnen war erlaubt, auf den Gassen und in den Schenken, bei Hochzeiten, Kirchweihen oder sonstigen Gelegenheiten zu spielen.

Eine besondere Veranlassung zu einer allgemeinen Volksbelustigung gab stets die Fastenzeit. Ein Schriftsteller um das Jahr 1500 beschreibt sie also: "Zur Fastnachtszeit pflegt man viel Kurzweil und Spektakel mit Stechen, Turnieren und Tanzen. Da verkleiden sich die Leute, laufen wie Narren und Unsinnige in der Stadt umher, und wer das Närrischste erdenkt, der ist Meister. Da sieht man in seltsamer Rüstung und Mummerei die Frauen in Manneskleidern und die Männer in weiblichem Gewand, und ist fürwahr Scham, Zucht und Ehrbarkeit an diesem christlichen Feste teuer. Auch geschieht viel Büberei; alle Bosheit und Unzucht ist ziemlich an diesem Feste. Etliche laufen ohne alle Scham nackend umher; etliche kriechen auf allen Vieren wie die Tiere. Etliche sind Mönche, andere Könige. Etliche gehen auf hohen Stelzen mit Flügeln und langen Schnäbeln; etliche sind Affen, andere Bären, noch andere Teufel."

Die Fastnachtsspiele setzten sich sogar bis in die Kirche fort; eigene, närrische Fastnachtspredigten wurden gehalten. Überhaupt dienten die kirchlichen Feste dem Volke stets als Tage der Freunde, und davon hatte man im Mittelalter eine stattliche Reihe im Jahre. Der den sinnlichen Genüssen sehr ergebene Charakter des Landvolks sowohl wie der Stadtbewohner gab all den kirchlichen Festtagen ein buntes, lärmendes Gepräge durch Prozessionen, Schmausereien, Gesänge, Tänze und spiele. Sehr oft wurden an solchen Tagen Spiele aufgeführt, die biblische Darstellungen zum Gegenstand hatten, wie die Enthauptung Johannis des Täufers, die Leidensgeschichte des Herrn und andere; aus ihnen ist unser heutiges Drama hervorgegangen.

Auch der "wunderschöne Monat Mai", der Bote des Frühlings, gab den alten deutschen Bürgern und Bauern Gelegenheit zu Lust und Jubel. Man dachte sich den Winter als einen feindseligen Riesen, den Sommer als einen knabenhaften, holden Jüngling, der gewaffnet auszog, um den gehassten Gegner aufzusuchen und zu überwältigen. Ein Knabe zog daher als Sonnengott an der Spitze gewaffneten Genossen in den Wald. Er trug Laub- und Blumenkränze an Stirn, Brust und Schulter und kehrte, nachdem Scheinkämpfe im Walde abgehalten waren, als Sieger mit Jubel heim. Sein Gefolge führte zum Beweise des Sieges grüne Birkenzweige mit sich. Ein hoher, glatt geschälter Baum mit grüner, bunt bebänderter Krone wurde aufgepflanzt. Unter ihm wurden allerlei Leibesübungen, Gesang und Tanz abgehalten. Auf dem Lande erhielt sich diese Sitte des "Maifestes" und des "Maibaumes" am längsten.

Familienfeste boten den Mitgliedern eines Hauses und ihren Freunden willkommene Gelegenheit zu Lust und Frohsinn. Besonders wurden die Hochzeiten von jeher sehr glanzvoll gefeiert. Der Luxus in den Speisen und Getränken, die Kleiderpracht und die Zahl der Gäste artete dabei oft dermaßen aus, dass besondere Luxusgesetze erlassen werden mussten, die dem Unwesen steuern sollten.

 

Im Jahre 1493 richtete der Bäcker Veit Gundlinger zu Augsburg seiner Tochter eine Hochzeit aus, bei der an 60 Tischen gespeist wurde. An jedem Tische saßen 12 Personen, Junggesellen, Frauen und Jungfrauen, zusammen 720 Gäste. Die Hochzeit dauerte acht Tage; es wurde so gegessen, getrunken und getanzt, das schon am siebten Tage "viele wie tot hinfielen."

In Frankfurt wurde 1415 eine bürgerliche Hochzeit gefeiert, bei der über 100 Gäste eine Woche lang in Saus und braus lebten. Es wurden auf dieser Hochzeit 6 Ohm Wein, 120 Kilogramm Rindfleisch, 315 Hühner, 30 Gänse, 3100 Krebse, 1420 Weißbrote verzehrt.

Derartige Übertreibungen waren im 14., 15. und 16. Jahrhundert nicht selten. Ja, die Ess- und Trinklust unserer Vorfahren ging so weit, dass selbst Leichenbegängnisses ihnen einen willkommenen Anlass zur Befriedigung ihrer Zechlust boten. Welch derbe Sitten namentlich im Trinken herrschten, zeigt uns die Gewohnheit, dass Frauen und Jungfrauen es darin den Männern gleich zu tun bemüht waren. Es war etwas Gewöhnliches, wenn sie schon morgens zum Frühstück ganze Kannen voll Bier leerten, und von einem tüchtigen Schluck Wein schreckten sie nicht zurück.

Ein deutscher Herzog schuf für seinen Hof eine eigene Trinkordnung und verordnete, dass seiner Gemahlin zum Früh- und Vespertrunk "soviel Bier und Wein verabfolgte werden sollte, als sie verlangte." Das wird nicht wenig gewesen sein, da jedes adelige Fräulein "bloß vier Maß Bier täglich" erhalten sollte. Wie ist es da zu verwundern, wenn Ritter und angesehene Personen sich rühmten, recht viel im Trinken leisten zu können, wie denn ein brandenburgischer Oberkämmerer während einer Mahlzeit 18 Maß Wein zu sich zu nehmen gewohnt war!

Dem maßlosen Essen und Trinken des Mittelalters tat die Verbreitung des arabischen Kaffees und des chinesischen Tees den meisten Abbruch; ; sie beschränkten das Wein- und Biertrinken in hohem Maße. Überhaupt begann allmählich jene Verfeinerung der Sitten, die eine Folge der Nachahmung des französischen Wesens war.

 

Schule und Ausbildung

Bis zum 7. Lebensjahr durften Kinder, Kinder sein, danach wurden sie als Erwachsene behandelt.

Eine strenge Lehrzeit begann. Jungen mussten die elterliche Burg verlassen und als Page zu einem anderen Ritter gehen. Der Page wurde im Umgang mit Pferden, Waffen und im Fechten und Lanzen stechen ausgebildet. Er bediente seinen Herrn am Tisch und erledigte Botengänge. Mit 14 Jahren begann die Ausbildung zum Ritter. Er begleitet seinen Pflegevater als Knappe zum Fürstenhof und zu Turnieren. Auch war er bei kleinen Scharmützeln und Fehden seines Herrn dabei. Schreiben und Rechnen waren dabei nicht so wichtig und wurden nur am Rande gelernt. Wichtiger waren Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch, um sich bei Auseinandersetzungen mit Freund und Feind verständigen zu können.


Mädchen wurden daraufhin erzogen standesgemäß zu heiraten, Kinder zu kriegen und einen Burghaushalt zu führen.

Die Ausbildung erfolgte meist auf der Burg der Eltern. Da während der Handarbeiten oft gesungen musiziert und vorgelesen wurde waren Mädchen oft gebildeter als Jungen. Sie konnten meist Lesen und Schreiben und kannten sich in der zeitgenössischen Literatur etwas aus.

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