Grundzüge des europäischen Mittelalters waren eine nach Ständen geordnete Gesellschaft (Feudaladel und Klerus/ Städtern, Handwerkern und Kaufleuten/ Bauern), eine gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft und Latein als gemeinsame Kultur und Bildungssprache. Daneben waren die Idee der Einheit der christlichen Kirche, die aber faktisch nach dem großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand, sowie ein recht einheitliches Weltbild kennzeichnend für diese Epoche. Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform des Mittelalters war der Feudalismus. Mit der Einführung der Geldwirtschaft (Mitte 13. Jahrhundert) verschieben sich die Machtverhältnisse allmählich. Es entstehen Städte als Handelsmetropolen. Reichtum und Besitz können nun auch mit Geld und nicht nur von Adligen per Abstammung und Gewalt erworben werden.

Das christliche Mittelalter sah sich selbst noch nicht als ein Mittelalter, sondern verstand sich heilsgeschichtlich als eine im Glauben allen anderen Zeitaltern überlegenes christliches Zeitalter, die mit der Geburt Christi begann und erst mit dem Jüngsten Tag enden sollte. Während die vorausgegangenen Weltalter der Heilsgeschichte gemäß der Lehre von den drei, vier oder sechs Weltaltern noch weiter unterteilt wurden, gab es für die interne Periodisierung der "aetas christiana" kein fest etabliertes Epochenschema, sondern lediglich Ansätze wie die Lehre von den sieben Perioden der Kirche, abgeleitet aus der Johannesapokalypse, oder die von Joachim von Fiore begründete Einteilung in eine Zeit des Sohnes, von der Geburt Christi bis etwa 1260, und eine darauffolgende Zeit des Geistes.

Die Vorstellung, dass auch innerhalb der "aetas christiana" geschichtliche Entwicklung im Sinne von Fortschritt oder Verfall stattfinden könnte, war dem christlichen Mittelalter dabei keineswegs fremd, war aus der Sicht der römischen Kirche jedoch prekär, weil diese einerseits eine Weiterentwicklung oder Überbietung der christlichen Lehre seit der Zeit des Evangeliums und der Kirchenväter nicht zulassen oder zugeben und andererseits auch die eigene Entwicklung nicht unter dem Gesichtspunkt des Verfalls betrachten lassen wollte. Soweit sich entsprechende Geschichtsvorstellungen mit kirchenkritischen Reformkonzepten und eschatologischen Berechnungen der Endzeit verbanden, wurden sie deshalb, wie die Lehre Joachims und seiner Nachfolger, von der römischen Kirche bekämpft.

Der Begriff Mittelalter wurde in der Form "medium aevum", mittleres Zeitalter, erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Humanisten eingeführt, die damit dann in den beiden folgenden Jahrhunderten zugleich auch das Verständnis der eigenen Epoche als Epoche der Wiedergeburt, Renaissance, begründeten. In der humanistischen Geschichtsbetrachtung wurde der christliche Glaube nicht in seiner allgemeinen Verbindlichkeit, sondern in seiner Gültigkeit als Maßstab für die Bewertung der weltgeschichtlichen Entwicklung entthronisiert und durch ein profangeschichtliches, nicht mehr primär von Theologen, sondern von Dichtern und Philologen konstruiertes Ideal der griechisch-römischen Antike ersetzt. Aus humanistischer Sicht war das Mittelalter ein dunkles Zeitalter "aetas obscura", eine Epoche des Zerfalls und des Niedergangs, in der der sprachliche, literarische, technologische und zivilisatorische Entwicklungsstand der griechisch-römischen Antike bedingt durch den Einfall germanischer Völker und das dadurch herbeigeführte Ende des Weströmischen Reiches verloren ging, um erst in der eigenen Zeit durch die Wiederentdeckung antiker Quellen und die Wiederbelebung antiker Stilnormen zum Gegenstand der Nachahmung oder sogar Überbietung zu werden.

Der Begriff des Mittelalters hat sich in der Folgezeit dann als Epochenbegriff mit tendenziell abwertender Bedeutung etabliert, wobei die Epochengrenzen meist einerseits mit dem Ende des Weströmischen Reiches im Jahr 476 und andererseits mit der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch die Osmanen angesetzt wurde, letzteres speziell im Hinblick darauf, dass byzantinische Gelehrte bei ihrer Flucht in den Westen wichtige griechische Handschriften mitbrachten, die dem lateinischen Mittelalter unbekannt geblieben oder nur durch arabische Übersetzungen bekannt geworden waren.

Außerhalb der Fachsprache werden heute Denk oder Verhaltensweisen oder ganze Kulturen als mittelalterlich bezeichnet, um ihnen einen besondere Rückständigkeit und Mangel an Aufklärung und Humanität zuzuschreiben.

 

Zeitliche Einordnung

Die Bezeichnung Mittelalter bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen Abendlands vor der Reformation, denn der Begriff wird kaum im Zusammenhang mit außereuropäischen Kulturen verwendet. Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von 500 bzw. 600 nach Christus bis etwa 1500 ein. Wesentlich genauer sind jedoch folgende Merkmale:

Das Mittelalter erstreckt sich ungefähr vom Ende der Völkerwanderung 375 bis 568 bzw. vom Untergang des weströmischen Kaisertums 476 bis zum Zeitalter der Renaissance, Mitte des 15. Jahrhunderts bzw. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts.

Die Datierungen sind nicht immer einheitlich, es kommt oft darauf an, welche Aspekte der Entwicklung bevorzugt werden und von welchem Land man ausgeht. Stellt man zum Beispiel den Einfluss des Islam in den Vordergrund, kann man Mohammeds Hidschra, 622 oder den Beginn der arabischen Expansion ab 632 als Beginn sehen. Ebenso gibt es unterschiedliche Datierungsmöglichkeiten für das Ende des Mittelalters, beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks, um 1450, die Eroberung von Konstantinopel 1453, die Entdeckung Amerikas 1492 oder auch der Beginn der Reformation 1517. Fokussiert man einzelne Länder, so kann man auch zu verschiedenen Eckdaten kommen. So endete die Antike am Rhein oder in Britannien aufgrund der dortigen Entwicklungen während der Völkerwanderung sicher früher als etwa in Syrien. Auf der anderen Seite war zum Beispiel zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Italien bereits das Zeitalter der Renaissance angebrochen, während man zur gleichen Zeit in England noch vom Mittelalter spricht.

 

Untergliederung des Mittelalters

Im deutschsprachigen Raum hat seit dem 19. Jahrhundert die von der Nationalidee beeinflusste, an der fränkischen und deutschen Herrschergeschichte orientierte Geschichtsschreibung das Mittelalter vornehmlich in drei Hauptphasen gegliedert:

  • Frühmittelalter ca 500 bis Anfang 10. Jahrhundert, die Epoche der Merowinger und Karolinger
  • Hochmittelalter Anfang 10. Jahrhundert bis ca. 1250, die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer
  • Spätmittelalter ca. 1250 bis ca. 1500, der Herbst des Mittelalters, nach dem Scheitern der klassischen Kaiseridee

 

 

Frühmittelalter

Die Völkerwanderung wird von der Forschung als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter angesehen und der Spätantike zugerechnet. Mit dem Ende der Völkerwanderung beginnt das Frühmittelalter.

Im Frühmittelalter fanden viele einschneidende Entwicklungen statt. So wird Europa bis etwa 600 weitgehend christianisiert, hauptsächlich durch die Tätigkeit irischer Missionare. Etwa um 500 beginnt unter König Chlodwig, der mit seinem Volk geschlossen zum Christentum übergetreten war, der Aufstieg des Fränkischen Reiches, das sehr bald auf den Überresten des Weströmischen Reiches und der Reiche der anderen germanischen Völker seine Vorherrschaft in West und Mitteleuropa begründet. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellt die Krönung Karls des Großen zum römischen Kaiser durch den Papst an Weihnachten des Jahres 800 dar. Nach seinem Tod 814 zerfällt das fränkische Reich allmählich. Aus seiner westlichen Hälfte entsteht das spätere Frankreich, während sich aus der Osthälfte später das Heilige Römische Reich deutscher Nation entwickelt. Daneben erhält der Papst durch die sogenannte pippinische Schenkung 754 neben seiner geistlichen nun auch weltliche Macht, was in Zukunft des Öfteren zu Spannungen zwischen den Königen und dem Papst führen sollte.

Ebenfalls in diese Zeit fallen die Einfälle der Wikinger sowie der Magyaren zwischen 800 und 1100 bzw. 900 und 950. Zusammen mit der Eroberung Nordafrikas und eines Großteils der iberischen Halbinsel von ca. 650 bis 720 durch die Moslems bewirken sie die Auslöschung der letzten spätantiken Strukturen, sofern sie noch vorhanden waren, und setzen eine Entwicklung in Gang, die die Bauern in Frankenreich ihrer Freiheit beraubt und die staatliche Autorität zersplittert, da die Verteidigung der einzelnen Gebiete den dortigen Grundherren auferlegt wurde. Dies führt letztendlich zum Entstehen des feudalistischen Wirtschaftssystems. Die britischen Inseln und Nordfrankreich haben am meisten unter den Angriffen der Wikinger zu leiden, wobei die Angreifer in Britannien einige Königreiche errichten, aus denen später England entsteht.

Wirtschaftlich stellt das Frühmittelalter hauptsächlich eine Zeit der Naturalwirtschaft dar, wobei besonders das System der Grundherrschaft herauszustellen ist. Wesentliche Kulturträger sind das Byzantinische Reich, die Klöster, insbesondere die des Benediktinerordens, sowie die Gelehrten des arabischmuslimischen Kulturkreises. Vor allem durch letztere kann ein wesentlicher Teil der antiken Literatur und Wissenschaften bewahrt werden.

Im 10. Jahrhundert wurden 955 auf dem Lechfeld die Ungarn besiegt- eine jahrhundertelange Bedrohung beendet. Um sich vor den Ungarn zu schützen wurde als Bollwerk die "Ostmark" eingerichtet. Auch Ostreich oder "Ostarrichi" genannt wurde daraus später "Österreich".

 

Hochmittelalter

Das Hochmittelalter ist die Blütezeit des Rittertums und des römisch-deutschen Kaiserreichs, des Lehnswesens und des Minnesangs. Man kann diese Ära auch als Zeitalter der Wiedererstarkung Europas bezeichnen, denn die europäischen Staaten entwickeln seit etwa 900 immer mehr Macht. Die Bevölkerung beginnt zu wachsen, Handwerk und Handel werden gefördert und auch die Bildung ist nun nicht länger ausschließlich ein Privileg des Klerus.

In diese Epoche fallen als wahrscheinlich bekanntestes Ereignis die Kreuzzüge, in denen sich der massive Einfluss der seit 1054 gespaltenen Kirche zeigt, siehe hierzu auch Morgenländisches Schisma. Während der Kreuzzüge ziehen immer wieder Heere aus Westeuropa und Mitteleuropa in den Nahen Osten, um die Stätten des neuen Testamentes von den Moslems zu befreien, doch gelingt es den Europäern nicht, sich dauerhaft dort festzusetzen. Später treten die einstmals religiösen Ziele der Kreuzzüge oftmals zugunsten von Machtgelüsten oder Profitgier in den Hintergrund.

Im Laufe der Kreuzzüge entwickelt sich auch ein Fernhandel mit der Levante, von dem insbesondere die italienischen Stadtstaaten profitieren. Mit dem Handel, der dort die Geldwirtschaft an Bedeutung gewinnen lässt und so zum Entstehen einer frühen Form des Kapitalismus führt, finden auch neue oder wiederentdeckte Ideen nach Europa, so wird zum Beispiel Aristoteles zur wichtigsten nichtchristlichen Autorität innerhalb der Scholastik. Vor allem in Mitteleuropa entsteht das Zunftwesen, das die sozialen und wirtschaftlichen Vorgänge in den Städten stark prägt.

Es ist auch die Epoche der Auseinandersetzung zwischen weltlicher und geistlicher Macht im Investiturstreit, welcher die Einsetzung mehrerer Gegenpäpste zur Folge hatte. Die wichtigsten Orden des Hochmittelalters sind neben den Zisterziensern die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Daneben entstehen neue christliche Laienbewegungen, die von der katholischen Kirche als häretisch bezeichnet werden, darunter die Glaubensbewegungen der Katharer oder Waldenser. Im Hochmittelalter wird deshalb die Inquisition ins Leben gerufen, um gegen diese sog. Ketzer vorzugehen.

In Nordeuropa und Osteuropa hatten sich im Zuge der fortschreitenden Christianisierung neue Königreiche wie England, Norwegen, Dänemark, Polen, Ungarn und Böhmen gebildet. Ebenso entstanden noch weiter im Osten unter dem Einfluss der Wikinger und orthodoxer Missionare aus dem byzantinischen Reich weitere Staaten wie das Kiewer Reich. Während Byzanz durch den vierten Kreuzzug im Jahre 1204 eine entscheidende Schwächung seiner Macht erfährt, wird das Reich der Kiewer Rus im Zuge des Mongolensturms 1223 zerstört; weitere osteuropäische Staaten, vor allem Polen und Ungarn, entgehen nur knapp dem Untergang. Daneben beginnen ab 1000 die nach der islamischen Eroberung verbliebenen christlichen Staaten der iberischen Halbinsel mit der sogenannten Reconquista, also der Rückeroberung des späteren Staatsgebietes von Spanien und Portugal von den Mauren.

 

Spätmittelalter

Das Spätmittelalter ist die Zeit des aufsteigenden Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. Während das Byzantinische Reich nach der Eroberung Konstantinopels 1204 während des Vierten Kreuzzuges langsam aber sicher seinem Untergang entgegengeht, gewinnen die christlichen Staaten auf der iberischen Halbinsel nach dem Sieg bei Las Navas de Tolosa im Jahre 1212 immer weiter an Boden.

Dennoch erlebt Europa ab etwa 1300 eine tiefgreifende Krise: Im Jahre 1291 fällt Akkon, die letzte Festung der Kreuzfahrer im Nahen Osten, die Autorität des Papstes schwindet im Zuge von Intrigen und dem sogenannten Abendländischen Schisma. Die schlimmste Katastrophe in der sogenannten Krise des 14. Jahrhunderts stellt jedoch die Pest, der Schwarze Tod, dar, die ab 1347 von Südrussland kommend die Länder Europas verheert und fast die Hälfte der europäischen Bevölkerung das Leben kostet. Die Entvölkerung führt zu Aufständen und einem Wandel der Sozialstrukturen, die das Rittertum zugunsten des Bürgertums schwächen und in der katholischen Kirche einige Reformbewegungen auslösen.

Etwa zur gleichen Zeit wie die Entvölkerung beginnt aufgrund von Erbstreitigkeiten um die französische Krone der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England. Von 1340 bis etwa 1420 behalten die Engländer die Oberhand, bis Jeanne d'Arc, heute als die Jungfrau von Orleans bekannt, den Franzosen wieder Kampfesmut einflößt und ihnen bei Orleans zum Sieg verhilft. Obwohl sie schon 1431 von den Engländern zum Tode verurteilt wird, kann Frankreich den Krieg 1453 siegreich beenden, in demselben Jahr, in dem Konstantinopel an die osmanischen Türken fällt und in Deutschland der Buchdruck erfunden wird.

Kunst und Wissenschaften befinden sich im Spätmittelalter im Aufbruch. Die Gründung der ersten Universitäten, vor allem in Italien, verhilft den Wissenschaften und der Philosophie zu einem neuen Aufschwung, denn sie verbreiten die Lehren antiker Gelehrter und ebnen so den Boden für die Epoche der Renaissance. Auch Künstler erkennen neue Möglichkeiten: Die bisher auf kirchliche Motive beschränkte Malerei wird nun auf andere Bereiche ausgeweitet, auch die Dreidimensionalität wird von den Malern entdeckt. Außerdem lehnt sich die Architektur infolge der Renaissancebewegung wieder an alte römische und griechische Vorbilder an.

Auch die Wirtschaft erlebt trotz dem Massensterben durch die Pest eine Blüte. Hier wären vor allem wieder die italienischen Stadtstaaten zu nennen, aber auch der in der Nordsee und Ostsee entstehende Städtebund der Hanse. Die Hanse bewirkt durch den schwunghaften Handel eine weitere Besiedelung Nordeuropas und vor allem Osteuropas durch hauptsächlich deutsche Kolonisten. Durch die Handelskontakte entstehen daneben in Russland eine Reihe neuer Fürstentümer, die nach und nach das mongolische Joch abschütteln. Aus dem mächtigsten von ihnen, dem Fürstentum Moskau, wird sich später das russische Zarenreich entwickeln.

 

Ende des Mittelalters

Das Ende des Mittelalters kam nicht einfach so über Nacht, weil die Sonne an dem Tag grad so schön schien, sondern weil immer mehr die Wissenschaften und die Neuentdeckungen aber auch religiöse und politische Streitereien unter den verschiedenen Königen das Leben in Europa bestimmten. Als wesentlich für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet man im allgemeinen die Zeit der Renaissance, je nach Land spätes 14. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert, die Erfindung des Buchdrucks 1450 und die damit beschleunigte Verschriftlichung des Wissens, die Entdeckung insbesondere der Neuen Welt durch Christoph Kolumbus 1492, oder auch den Verlust des Einflusses der institutionalisierten katholischen Kirche und den Beginn der Reformation. Diese Ereignisse sind alle rund um die Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert anzusiedeln. Im selben Zeitraum könnte man das Ende des Mittelalters in Deutschland auch mit der Reichsreform als dem verfassungsrechtlichen Ende des klassischen Feudalismus lokalisieren.

Auch die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen, 1453, wird als ein Ereignis genannt, das das Ende des Mittelalters markiert. Dies ist nicht nur eine zeitlich passende Vereinfachung, sondern hat einige Berechtigung, da mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches das letzte lebendige Staatsgebilde der Antike unterging. Des weiteren war der dadurch ausgelöste Strom byzantinischer Flüchtlinge und Gelehrter nach Italien hauptverantwortlich für den Beginn der Renaissance. Darüber hinaus wurden die Handelsrouten nach Asien durch die Ausbreitung des Osmanischen Reiches blockiert, so dass westeuropäische Seefahrer neue Handelswege erkundeten. Dabei wurde unter anderem Amerika entdeckt; zumindest war es das erste Mal, dass die Existenz Amerikas innerhalb weniger Jahre in ganz Europa bekannt wurde.

Auf musikalischem Gebiet ist das Ende des Mittelalters am besten mit der Umstellung von Quintoktavklängen zu terzhaltigen Harmonien zu bestimmen. Die englischen Komponisten waren hier sehr früh, Anonymus 4 spricht bei dieser Entwicklung auf dem Kontinent sogar direkt von englischem Einfluss; vor allem Dunstable ist hier zu nennen. Ab circa 1430 lässt sich dieser Wandel in Italien dingfest machen, wobei terzhaltige Klänge nicht sofort die reinen Intervalle als Ruhepole der Komposition ablösten und vor allem am Schluss einer Komposition das ganze 15. Jahrhundert hindurch noch der Klang ohne Terz bevorzugt wurde.

Auch die Kriege veränderten sich. So waren es keine Ritterschlachten mehr, sondern immer größere Heere standen sich wie etwa im 30 jährigen Krieg gegenüber. Kanonen und Musketen machten die Schwerter sinnlos. Die Schwerter, als Zeichen eines Ritters, wurden durch dünnere Klingen, die sogenannten Degen ersetzt, die ein Hauptmann später trug. Ein letzter Ritter ist die Roman-Figur Don Quichote de la Mancha, der Ritter der traurigen Gestalt.

 

Sonstiges

Die kleine Körpergröße der Menschen im Mittelalter ist eine weit verbreitete, heute jedoch weitgehend widerlegte Annahme. Untersuchungen an Skeletten in den letzten Jahrzehnten haben ergeben, dass die durchschnittliche Körpergröße des mittelalterlichen Menschen vergleichbar ist mit der durchschnittlichen Größe der Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Europa erlebte im Hochmittelalter eine ausgeprägte Wärmeperiode, im Süden Englands wurde Wein angebaut. Erst im 14., 15. Jahrhundert verschlechterte sich das Klima zur sogenannten kleinen Eiszeit, die damit verbundene Nahrungsumstellung und teilweise Mangelernährung wirkte sich in den darauffolgenden Jahrhunderten auf die durchschnittliche Körpergröße aus.

Das Klima während des Mittelalters war vom 8. bis 13. Jahrhundert relativ günstig mit einem Klimaoptimum von 1150 bis 1300, das vermutlich positive Auswirkungen auf das Bevölkerungswachstum und den Aufschwung der Landwirtschaft hatte. Erst seit dem 13. Jahrhundert trat eine allmähliche Klimaverschletcherung ein. Trotz dieses günstigen Gesamtklimas waren die Zeitgenossen stark von kurzfristigen Klimaschwankungen abhängig, die sehr schnell Missernten und Hungersnöte zur Folge hatten.

Die Folge der immer wieder auftretenden Hungersnöte waren Seuchen, Krankheiten und Mangelernährung. Von einer ärztlichen Kunst konnte man kaum reden, die Pflege der Kranken übernahmen die Klöster. Erst als Europa im Verlauf der Kreuzzüge im 12. und 13. Jahrhundert mit der arabischen Welt in Kontakt kam, entwickelte sich die ärztliche Kunst weiter. Bis dahin kannte man im Abendland bei leichteren Fällen einige Kräuter, bei schwereren Fällen galt der Aderlass als Allheilmittel. Meistens blieb den Kranken nur die Hoffnung auf ein Wunder. 

Die Brille wurde erst im 14. Jahrhundert erfunden. Genau wie heute gab es Epileptiker und Geisteskranke, die allerdings damals als Besessene angesehen wurden. Zudem hatten viele Menschen schlechte Zähne, obwohl Kariesfälle selten waren, da es noch keinen Zucker gab.

Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug damals 25 bis 32 Jahren. Kriege, Naturkatastrophen, Seuchen und Hunger bedrohten das Leben der Menschen im Mittelalter. Allerdings war die sehr hohe Kindersterblichkeit, die zwischen 40 und 60 Prozent lag, für die niedrigen Werte verantwortlich. 10 bis 20 Prozent der Kinder starben im ersten Lebensjahr. Mindestens 40 Prozent der Kinder starben vor dem Erreichen der Pubertät. Diejenigen, die Kindheit und Jugend überstanden, konnten damit rechnen, älter zu werden. Die Lebenserwartung beim Mann war etwa 32 bis 40 Jahre, bei Frauen ungefähr 25 bis 30 Jahre. Die Lebenserwartung war bei Frauen geringer, da sie durch die vielen Schwangerschaften und Geburten und die fehlende Hygiene bei den Geburten gefährdeter waren als Männer. Alte Leute waren selten, wurden einerseits aufgrund ihrer Erfahrungen geachtet, andererseits allerdings auch als Belastung empfunden. Oft wurde Krankheit als Strafe für Sünden gesehen, aber auch als ein Aufruf zu Buße und Umkehr.

 

Armes Europa

Es war eine Zeit, in der der Großteil der Bevölkerung keine freien Menschen waren, sondern nicht selten Eigentum des Königs, bzw. anderer Adliger oder gar der kirchlichen Fürsten und als solches Leibeigene. Wenn wenige alles besitzen, das Land, die Flüsse, die Seen und die Wälder, die Felder, die Tiere und sogar die Menschen, dann haben die meisten eigentlich nichts. Und wenn sie sich dann etwas nehmen, dann beklauten sie sozusagen den König oder irgendeinen anderen Adligen. Die Gefängnisse waren voll mit Menschen, die sich und ihrer Familie etwas zu Essen besorgen wollten. Es gab einige wenige Städte, in denen die Menschen mehr Rechte hatten. Doch, wer auch immer arm war, und das waren eigentlich fast alle, für den war das Mittelalter einfach keine gute Zeit. Besonders wenn ein Land von anderen erobert wurde, musste oft das Volk sehr leiden. In dieser Zeit spielt auch die Geschichte von Robin Hood, eigentlich ein angelsächsischer Ritter unter König Löwenherz.

Wo aber Hunger und Armut herrschen, da herrschen auch Krankheiten. So waren Thyphus, Pocken, Cholera oder Lepra eine ständig gegenwärtige Gefahr. Man war nahezu machtlos. So etwas wie die heutige Medizin gab es eigentlich nicht. Die Krankheiten verliefen in den meisten Fällen tödlich. Der christliche Glaube verbot es, die Menschen medizinisch zu versorgen. Lediglich der Aderlass war erlaubt, so als könnte man mit dem Blut auch die böse Krankheit aus den Körper fließen lassen. Die Pest wurde auch als eine Strafe Gottes gesehen, in die man sich nicht einmischen darf. Weiterhin gab es zahlreiche Gelähmte, von rheumatischen Erkrankungen Geplagte und viele Blinde und Halbblinde. Aber natürlich gab es Menschen, die helfen wollten und die sich mit den neuen Wissenschaften bemühten, selbst die gefürchtete Pest zu besiegen. Einer dieser Leute hieß Nostradamus, eine andere war Hildegard von Bingen.

 

Kriegerisches Europa

In Europa stritten sich die Könige. Es ging im Mittelalter um die Ausbreitung und Verteidigung des Christentums in Europa. Kein Wunder also, dass die Kirche mächtiger als der Staat und die Könige waren. Alles Leben in der Gesellschaft wurde in Europa von der christlichen Religion beherrscht. Permanent war irgendwo Krieg, wurden irgendwelche Königreiche von anderen erobert. Ein Land, dass sich neben vielen anderen dagegen wehrte und so seinen Weg fand, war Frankreich. Diesmal war es kein Ritter, sondern eine junge Frau, Jeanne d'Arc, die Jungfrau von Orleans, die ihr Volk gegen die Eroberer aus England und Burgund anführte. Ein anderes Land war die Schweiz. Doch nicht immer glückte der Kampf für die Freiheit, so etwa in Tirol und in Ländern wie Irland und Schottland.

 

Zweifel an Gott und König

Die Menschen in Europa wandten sich gegen die Kirche. In ganz Europa teilten sich die Christen in zwei große Lager, die Katholische Kirche und die Protestantischen Kirchen.

Mit den Wissenschaften kam auch der Zweifel an Gott und vor allem an die Kirche, als Vertreter Gottes auf Erden. Es konnte gezeigt werden, dass das, was in der Bibel stand, nicht immer richtig war, wie etwa, dass die Erde eine Scheibe ist.

Mit dem Zweifel an die Kirche kam dann auch der Zweifel an die Königshäuser, deren einzige Berechtigung ja darin lag, dass sie von Gott eingesetzt waren, und eben nicht vom Volk. In einigen Ländern kam dieser Zweifel schneller, wie etwa in England, Skandinavien und den Niederlanden, in anderen Ländern etwas später, wie in Deutschland und in manchen sogar sehr spät, wie in Frankreich, Spanien oder gar Russland. Mit dem Zweifel an der Allmacht Gottes und der Einsetzung des Königs als Herrscher über das Volk durch Gott, endete das Mittelalter und es kam allmählich, Schritt für Schritt, die Neuzeit.

 

Mensch und Umwelt im Mittelalter

Europa war im Mittelalter wesentlich dünner besiedelt, um 1300 lebten ca 73 Millionen Menschen, 90% der Siedlungen hatten unter 2000 Einwohner, in den größten Städten lebten höchstens 30000 Menschen. Die geistige Einstellung zur Natur war anders als jetzt, die Menschen fühlten sich der feindlichen Umwelt unterlegen. Umweltveränderungen erfolgten nur über Nutzung der Wälder, es entstand eine totale Abhängigkeit vom Holz durch das Bedürfnis nach Herd- und Ofenwärme.Durch den erfolgten Raubbau kam es 1359 zum ersten Mal zu Aufforstungsmaßnahmen und auch Nachzucht und Eichelaussaat. Außerdem wurden Waldweider verboten. Die ersten Versuche zu Ver- und Entsorgungseinrichtungen in den Städten betraf die Wasserversorgung : mittelalterliche Städte wurden überwiegend durch innerstädtisches Grund- und Quellwasser versorgt. Den größten Anteil hatten private Grundwasserbrunnen. Teilweise kam auf 300 Einwohner ein Brunnen (Ziehbrunnen, Schöpf- und Laufbrunnen). Es bestand ein gravierender Zusammenhang zwischen Infektionskrankheiten und Beseitigung privater und gewerblicher Abfälle . Vorschriften nach Verursacherprinzip: die Beseitigung sollte möglichst auf dem eigenem Grundstück erfolgen (Aschengruben und Müllschächte). Spulwürmer, Madenwürmer und Peitschenwürmer gelangten über kopfgedüngtes Gemüse oder den Kontakt mit dem Erdboden zum Menschen zurück und führten zur Wiederinfektion. Bandwürmer wurden über schlecht gekochtes Fleisch übernommen. Zur persönlichen Hygiene wurden Heulappen, Gras und Blätter verwendet, Mooszöpfe und Wasserkrüge waren weitere Utensilien zur Körperhygiene. In eng verbauten Gassen wurden erste Kanalanlagen errichtet, diese waren Rinnen mit Steinplattenabdeckung, der Entsorgungsstandard war in den einzelnen Stadtvierteln sehr unterschiedlich.

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