Sprichwort
Herkunft
Bedeutung heute
Aus der Bahn geworfen
Bei einem mittelalterlichen Turnier, dem Tjost, lag der Kampfplatz zwischen den Turnierschranken.
Derjenige Ritter, der zuerst aus dieser Bahn geworfen wurde, hatte das Turnier verloren.
Ein Mensch ist gescheitert und findet sich in seinem Leben nicht mehr zurecht.
Beschlagen sein
Die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Pferde war davon abhängig, dass die Hufe der Pferde vom Hufschmied ordnungsgemäß beschlagen waren.
jemand kennt sich gut aus und hat ein umfangreiches Wissen
Jemanden ausstechen
In den Ritterturnieren wurde Sieger, wer seinen Gegner aus dem Sattel stach.
Jemanden übertreffen oder verdrängen.
Da ist Hopfen und Malz verloren
Schon seit dem Mittelalter wurden zur Herstellung von Bier die Grundstoffe Hopfen und Malz verwendet.
Wenn die Zusammensetzung falsch war, oder die spätere Gärung fehlschlug, so waren sowohl die Grundstoffe als auch das Ergebnis nicht brauchbar.
jemandem ist nicht mehr zu helfen
Das schlägt dem Fass den Boden aus
Wenn ein Fassmacher, auch Böttcher genannt, den Fassreifen zu stark zur Mitte hin schlug, konnte es passieren, dass durch den großen Druck der Boden aus dem Fass sprang.
Nun reicht es aber wirklich, das Maß ist voll ...
Den Löffel abgeben
In früheren Zeiten erhielten neu eingestellte Dienstboten, vor allem auf dem Land von ihrem Dienstherren bei Arbeitsantritt einen Holzlöffel, der zur täglichen Nahrungsaufnahme aus einer großen Pfanne oder einem Topf diente. Wurde der Dienstbote gekündigt oder ging er aus eigenen Stücken, so musste er diesen "Löffel wieder abgeben", damit ihn der nächste erhalten konnte. Gab also jemand den Löffel ab, so hieß dies lediglich dass er den Hof oder die Dienststelle verließ.
oder auch:
Im Todesfall bekam der Erbe den Löffel des Erblassers.
sterben
Die Daumenschrauben anlegen
Mit dem Anlegen der Daumenschrauben wurden Menschen gefoltert und damit Geständnisse erzwungen.
jemanden unter Druck setzen
Dumm wie Bohnenstroh
Weil das Stroh der Bohnen nichts kostete, diente es den armen Leuten früher als Füllung für die Matratze.
jemand ist ganz besonders dumm und hat überhaupt keine Ahnung
Essen wie ein Scheunendrescher
Die Arbeit des Dreschens wurde früher von Landarbeitern verrichtet, die man auch als Scheunendrescher bezeichnete. Zusätzlich zu ihrem Tagelohn erhielten diese Arbeiter auf den Höfen, wo sie ihre anstrengende Arbeit verrichteten, ihre Mahlzeiten.
Jemand isst gierig und hastig, weil er großen Hunger hat.
Etwas an die große Glocke hängen
Eine wichtige, öffentliche Bekanntmachung wurde früher mit einer Schelle oder auch dem Läuten der Kirchenglocken angekündigt.
Etwas weitererzählen, was nicht für die Allgemeinheit bestimmt ist.
Etwas auf dem Kerbholz haben
Das Kerbholz ist eine frühe Zählleiste aus Holz, welche der Länge nach gespalten wurde. In die zusammengelegten Hälften wurden bei dem Gläubiger und dem Schuldner die gleiche Anzahl von Kerben geschnitten.
Durch ein Zusammenlegen der beiden Kerbholzhälften konnten die vereinbarten Abmachungen zu einem vereinbarten Termin kontrolliert werden, also Arbeitsleistungen, Lieferungen, Rechnungen usw.
Die Bedeutung dieser alten Redewendung hat sich im Laufe der Zeit gewandelt.
damals: "Schulden haben"
heute: Wenn man heute über jemanden sagt: "Er hat etwas auf dem Kerbholz!",
so bedeutet das: "Er hat eine Straftat begangen oder etwas Unrechtes getan."
Etwas ausbaden müssen
Früher war es aus Kostengründen üblich, dass mehrere Menschen nacheinander im Badezuber dasselbe Badewasser benutzten. Derjenige, der zuletzt an die Reihe kam, war also der Dumme" und musste das inzwischen schmutzige Wasser ausgießen und das Bad bzw. den Badezuber reinigen.
Ein Mensch muss für die Taten büßen, die ein anderer begangen hat.
Etwas im Schilde führen
Die Ritter hatten das Wappen ihrer Familie auf ihrem Schild abgebildet, um bei heruntergeklappten Visier noch erkannt werden zu können.
etwas vorhaben oder beabsichtigen
Fest im Sattel sitzen
Ein Ritter musste fest im Sattel auf seinem Streitross sitzen,
um im Kampf nicht vom Pferd zu stürzen.
sich bewähren oder sich einer Sache ganz sicher zu sein
Für jemanden eine Lanze brechen
Die Ritter kämpften bei einem Turnier,
um edlen, adeligen Damen zu imponieren und zu gefallen
sich für jemanden einsetzen
Gut gerüstet sein
Wenn ein Ritter in den Kampf zog, legte er die vollständige Rüstung an.
gut vorbereitet sein
Hiebfest und stichfest sein
Ein Ritter schützte sich mit seinem Plattenharnisch gegen den Angriff von Schwertern, Keulen und anderen Waffen.
Eine Tatsache ist nicht zu widerlegen.
Hinter Schloss und Riegel bzw. Hinter Schloss und Riegel sitzen
Ein Schloss war nicht nur eine Gewähr für den Schutz von Hab und Gut, sondern bot auch eine Möglichkeit, die Gefangenen in einem Kerker oder Verlies sicher wegzusperren
im Gefängnis sitzen
Wenn jemandem ein Schloss vor den Mund gelegt wird, soll er damit zum Schweigen gebracht werden.
Von Walter von der Vogelweide ist die Ermahnung an den Knappen bekannt: "Stoz den rigel vür die tür, la kein boese wort darfür!"
Im Zaum halten
Am Zaumzeug von Reittieren und Zugtieren befand sich die Kandare. Damit konnten die Pferde gezügelt und gebändigt werden.
sich beherrschen
In Harnisch bringen
Die Ritter des Spätmittelalters schützen sich im Kampf mit einem Plattenharnisch.
Jemand hatte einen Ritter also derartig "in Zorn gebracht", dass er einen Kampf für unabwendbar hielt.
jemanden in Wut bringen
In Schranken halten
Ein Ritter ließ seinen Turniergegner im Kampf nicht aus den Turnierschranken
jemanden bändigen
Ins Visier nehmen
Durch das heruntergeklappte Visier an seinem Helm schützte der Ritter sein Gesicht vor Verletzungen. Er konnte aber dennoch den Feind sehen und beobachten.
Jemanden von außen unerkannt genau beobachten.
Jemandem Brief und Siegel geben
Das Wort "Brief" war früher etwa gleichbedeutend mit Erlass oder Urkunde, und ein solches Dokument war nur dann rechtsgültig, wenn es mit einem Siegel versehen war. Das Siegel unter einem Dokument hatte die gleiche rechtliche Bedeutung, die heute eine Unterschrift hat.
Eine Garantie für etwas geben, jemandem Gewissheit geben ...
Jemandem das Handwerk legen
Wenn jemand gegen die Handwerksregeln verstoßen hatte, gab es durch die Zunftordnung die Möglichkeit, ihn zur Niederlegung seines Handwerks zu zwingen.
jemanden dazu bringen, sein gesetzwidriges Handeln zu beenden
Jemandem das Wasser nicht reichen können
Da die Menschen außer mit dem Löffel früher vielfach mit den Händen gegessen haben, wurde den Gästen vor einem Ritterbankett von den Bediensteten einer Burg eine Schale mit Wasser gereicht, damit sie sich die Hände reinigen konnten.
Diese Bediensteten war vom Rang her niedriger gestellt als die Gäste des Burgherren.
Jemand ist weniger tüchtig, begabt und fähig als ein anderer.
Jemandem den Fehdehandschuh hinwerfen
Im Mittelalter war die Rechtstradition der Fehde üblich. Das war eine anerkannte Form der Selbsthilfe, die bei einem Rechtsbruch angewendet werden konnte. Der Fehdehandschuh wurde als ein Sinnbild eines Schlages verstanden und wer ihn aufnahm, erkannte den Kampf mit seinem Gegner an.
Man fordert einen anderen Menschen heraus und fängt mit ihm einen Streit an.
Jemandem ins Handwerk pfuschen
Nach der mittelalterlichen Zunftordnung wurden diejenigen, die außerhalb der Werkstatt des Meisters heimlich gearbeitet haben, streng verfolgt und bestraft. Sie galten als Pfuscher.
Eine Arbeit ausführen, nach der man nicht gefragt wurde, oder die die Arbeit eines anderen zunichte macht.
Jemandem Wasser in den Wein gießen
Im Mittelalter wurde nur selten reiner Wein getrunken, vielmehr wurde der Wein mit Wasser verdünnt und teilweise auch noch mit zusätzlichen Gewürzen versehen.
Die Begeisterung oder Freude eines Menschen wird durch die Einwände eines anderen geschmälert.
Jemanden brandmarken
Im Mittelalter wurde einem Verbrecher außer dem Stadtzeichen auch ein Sinnbild seiner Schandtat eingebrannt. Ein Mann, der zum Beispiel falsche Münzen hergestellt hat, wurde eine Münze auf seiner Stirn eingebrannt, um ihn vor der Öffentlichkeit für seine Tat zu demütigen.
jemanden bloßstellen und öffentlich beschuldigen.
Jemanden in die Zange nehmen
Die Schmiede benutzten bereits im Mittelalter eine fest zupackende Zange, um das glühende Eisen bearbeiten zu können.
jemanden heftig unter Druck setzen
Jemanden über den Löffel barbieren
Die Bader oder Barbiere benutzten früher einen Löffel, um bei den Männern die durch den Zahnausfall eingefallenen Wangen für die Rasur zu straffen.
Jemanden betrügen oder benachteiligen und ihm dadurch große Umstände und Ärger zu bereiten.
Jemanden über die Klinge springen lassen
Im Mittelalter wurden viele Menschen durch einen Henker hingerichtet. Eine Art der Todesstrafe wurde mit dem Schwert vollzogen, indem dem Verurteilten der Kopf abgeschlagen wurde. Mit diesem Ausdruck: "Jemanden über die Klinge springen lassen" wurde diese grausame Todesart umschrieben.
Man verrät einen anderen Menschen, lässt ihn fallen und steht nicht zu ihm.
Jemanden zur Ader lassen
Im Mittelalter wurden Krankheiten oft mit dem Aderlass behandelt, weil man glaubte den Kranken durch die Blutentnahme heilen zu können.
jemanden ausbeuten oder ausnutzen
Mehrere Eisen im Feuer haben
Ein Schmied, früher gab es viele verschiedene Schmiede: Waffenschmied, Hufschmied, Kesselschmied, Goldschmied, Nagelschmied, konnte viel Zeit und Material sparen, wenn er mehrere Eisen gleichzeitig ins Feuer hielt.
Ein Mensch ist umsichtig, gut vorbereitet und darauf eingerichtet, was ihn erwarten könnte.
Nicht die Bohne
Schon bei Walther von der Vogelweide galt die Bohne als ziemlich belanglos und unbedeutend:
"Min vorderunge ist uf in kleiner dann ein bone"
dass man etwas besonders betont verneinen möchte.
Sein Pulver verschossen haben
Die Menge des Schießpulvers, die ein Krieger des Mittelalters in seinem Pulverhorn mitführen konnte, reichte nur für eine begrenzte Anzahl von Schüssen.
Daher hütete man sich sehr davor, dieses Pulver unnötig zu verschießen,
und setzte es nur dann ein, wenn man sich Erfolg davon versprach
im ursprünglichen Sinne: Dem Krieger ist Schießpulver ist ausgegangen, folglich kann er keinen Schuss mehr abfeuern.
heute ist damit gemeint, dass jemand am Ende seiner Kräfte ist, sich nichts mehr leisten kann oder aber sich völlig verausgabt hat.
Sich die Sporen verdienen
Ein Knappe musste sich während seiner Ausbildung zum Ritter als würdig erweisen, den Ritterschlag "die Schwertleite" zu erhalten.
sich etwas erarbeiten oder sich bewähren
Sich verhaspeln
Durch eine Haspel konnte das Garn beim Spinnen in eine Strangform gebracht werden.
Jemand hat zu schnell gesprochen und verwirrt sich bei dem, was er erzählen wollte oder fängt an zu stottern.
Türmen gehen
Im Bergfried, dem höchsten Turm der Burg, befand sich oft im Keller ein Kerker, in dem die Gefangenen untergebracht waren.
flüchten, ausbrechen, sich aus dem Staube machen ...
Unter die Haube kommen
Die jungen Mädchen trugen ihr Haar im Mittelalter als Zeichen ihrer Jungfräulichkeit und Unberührtheit offen herunterhängend. Verheiratete Frauen hingegen steckten ihr hoch gebundenes Haar unter eine Haube.
Eine Frau hat einen Mann gefunden, der sie heiratet.
Unter einen Hut bringen
Der Begriff Hut steht in der Sprache des Mittelalters hier für die Mitra eines Bischofs oder die Krone eines Königs bzw. Herrschers. Damit war früher gemeint, dass die Menschen dem Willen und der Herrschaft des Mannes unterstanden, der sie nun regierte.
Menschen, die zuvor verschiedener Meinung waren oder unterschiedliche Absichten hatten, haben sich auf ein gemeinsames Ziel geeinigt
Vom Leder ziehen
Mit dem Begriff "Leder" ist hier ursprünglich die Schwertscheide gemeint, aus welcher der Ritter beim Kampf sein Schwert zog.
etwas Schlechtes über jemanden erzählen
Wieder auf freiem Fuße sein
Im Mittelalter wurden die Verurteilten mit dicken Ketten im Kerker angekettet. Nachdem sie ihre Strafe verbüßt hatten, wurden die Ketten wieder gelöst.
Ein Mensch ist frei und unbeaufsichtigt.
Einen Zahn zulegen
Früher, als man noch eine Feuerstelle im Haus hatte, hing der Topf an einem Gestell mit Zacken oder "Zähnen", durch die man die verschiedenen Höhen einstellen konnte, in denen der Topf über dem Feuer hing. Legte man einen Zahn zu, wurde der Topf niedriger gehängt und Wasser oder Speisen wurden schneller heiß.
Heute ist das die Aufforderung, etwas schneller zu tun
ein großes Schlitzohr sein
Einem Gesellen wurde bei Regelverstoß der Ohrring, das Zeichen der Zunftzugehörigkeit, ausgerissen.
Auch Betrügern soll in jener Zeit das Ohr geschlitzt worden sein. Das Ergebnis jedenfalls war für alle sichtbar
jemand wurde von "dieser" Person betrogen
Das ist hanebüchen!
Das Wort kommt von "Hainbuche" oder "Hagebuche"
jemand oder etwas ist grob und klotzig wie das Holz dieser Pflanze.
Sich nicht lumpen lassen
Als "Lump" galt augenscheinlich, wer nicht in der Lage ist, mit den Geldstücken nur so um sich zu werfen. Und umgekehrt: als Ehrenmann gilt also, wer das kann.
etwas mehr tun als man eigentlich vermag, sich bis zur Grenze des vernünftigen verausgaben.
Aus dem Stegreif
Stegreif ist eine alte Bezeichnung für Steigbügel. Ein Reif zum Besteigen des Pferdes. Eilige Reiter erledigten manches oder aßen etwas aus dem Stegreif, ohne Abzusteigen
Wer etwas aus dem Stegreif tut, macht etwas spontan, ohne Vorbereitung. Gleichsam noch während des Reitens.
Jemanden festnageln
Es gab den Brauch, räuberische Vögel wie Bussarde oder Habichte tatsächlich an einem Scheunentor festzunageln. Dies sollte andere Raubvögel davon abhalten, ebenso unter den Beständen des Bauern zu wüten.
man wird auf etwas, das man gesagt hat, festgelegt wird
Kohldampf schieben
Dieses Wort kommt aus der Gaunersprache Rotwelsch; Koller oder Koll war die Wut, der wütende Hunger und auch Dampf bedeutete Hunger.
Derbe Ausdrucksweise für: Hunger haben
Oje, Ojemine!
Viele solcher Ausrufe haben oft eine lange Geschichte und sind christlichen Ursprungs. Einst wurde "O Jesu Domine", also "Herr Jesus" auf lateinisch, um Hilfe gerufen, was den Geistlichen ein Dorn im Auge war.
Das Volk war erfinderisch und schliff den Ausspruch zu "Oh Jemine" ab. Auch "oje" kommt von "oh Jesus", im letzten Augenblick verschluckt, sozusagen.
Durch die Lappen gehen
Schon 1580 werden bunte Zeuglappen als Schrecktücher zum Umstellen des Wildes erwähnt. Diese wurden zwischen die Bäume gehängt, um so bei Treibjagden das Wild aufzuscheuchen. Frecher Weise gab es immer wieder Rehe und Hirsche, die sich von dem bunten Geflattere nicht abschrecken ließen und somit einfach durch die Lappen gingen.
Man will unbedingt eine bestimmte Sache ergattern.
Hochstapler
Ursprünglich verstand man unter einem Hochstapler einen Gauner, der unter falschem Namen oder Adelstitel als Angehöriger der oberen Klasse auftrat und gewinnreiche Betrügereien verübte. Das Wort stammt aus dem 18. Jahrhundert und kommt auch aus der Gaunersprache, in der stapeln betteln bedeutet.
Im heutigen Sprachgebrauch ist das jemand, der sehr übertreibt.
Den Spieß umdrehen
Landsknechte im Mittelalter, die im Streit mit einem Gegner es verstanden, dem anderen den Spieß zu entreißen und auf ihn einzudringen, so dass die Spießspitze plötzlich genau in die entgegengesetzte Richtung zeigte und der Überlistete somit schleunigst Reißaus nahm. Den Spieß umdrehen ist die bewährte Methode für einen Angegriffenen, mit Hilfe seiner Hinterhältigkeit die Dinge zu seinem Gunsten zu wenden.
Eine Situation so zu seinen Gunsten umgestalten, dass, was recht war, plötzlich unrecht aussieht oder umgekehrt.
Die Nase voll haben
Gefängnisinsassen haben möglicherweise zur Strafverschärfung noch die Nase voll gehauen bekommen, was dann in die Gaunersprache überging.
Wer die Nase voll hat, steckt in einer bedenklichen Situation, aus der er gerne herauskommen möchte
Etwas abknöpfen
In früheren Zeiten trugen in einigen Teilen Deutschlands reiche Bürger und Bauern an ihrer Kleidung Silbermünzen und Medaillen statt Knöpfe, so dass es sich gewiss gelohnt hat, sie um ein paar Knöpfe zu erleichtern, egal ob die Träger diese freiwillig hergaben oder ob man sie sich erst "vorknöpfen" musste.
jemandem Geld oder Sachen abnehmen
keinen Knopf wert sein
Ein normaler Knopf war eigentlich nichts Besonderes und nicht sehr teuer.
Eine Sache taugt nicht viel
Hokuspokus
Das Wort geht nicht, wie oft behauptet, auf die Abendmahlformel "Hoc est corpus meum", "Dies ist mein Leib" zurück, sondern auf die Schöpfung fahrender junger Leute, die sich von 1563 mit der leeren, pseudolateinischen Formel "Hax pax max Deus adimax" und einigen Taschenspielereien ihr Geld verdienten. Später wurde ein Taschenspieler in England "hocus pokos" genannt; in Deutschland war "Ox pox" erst Zauberei, dann Gaukelei und Betrug.
Ein universelles Wort der heutigen "Zauberer".
Im übertragenen Sinne versteht man unter "Hokuspokus" auch ein großes Getue um nicht erkennbare Taten.
Brosamen
Der Brosam bzw. die Brosame kommt vom althochdeutschen "brosama", was schlichtweg "Bröckchen, Zerriebenes" bedeutete. Dem Hungernden wurde also einfach ein Krümel der eigenen Mahlzeit zugeworfen. Die Worte Brösel und zerbröseln stammen direkt davon ab
Wenn sich die kalte Jahreszeit nähert und wir an hungernde Vögel erinnert werden, so taucht manchmal das Wort "Brosamen" auf. Mit eventuellen Brotsamen hat dies allerdings nichts zu tun.
Eigenbrötler
der Junggeselle, der sein eigenes Brot buk
bezeichnet umgangssprachlich Menschen, deren soziale Kompetenz und Teamfähigkeit, vom Umfeld aus gesehen eingeschränkt ist
Zeigen, was eine Harke ist
Nach einer alten überlieferten Anekdote hatte einmal ein Bauernsohn, der aus der Fremde "dem Süden" heimkehrte, seine Muttersprache völlig vergessen. Als er aus Versehen auf die Zinken der Harke trat und der Stiel ihm gegen den Kopf schlug, rief er aus: "Verfluchte Harke", die Erinnerung war wieder da.
In den nördlichen Regionen Deutschlands weiß man, was eine Harke ist. Im Süden dagegen eher nicht, denn dort nennt man diesen Gegenstand für die Gartenarbeit Rechen. Wenn heute jemand zeigen möchte, was eine Harke ist, tut er das grob und belehrt womöglich handgreiflich.
Von echtem Schrot und Korn
Das Wort Schrot bedeutete ursprünglich "abgesägtes Stückchen" und diente als Gewichtsbezeichnung für Münzen. "Korn" war der Feingehalt der Münzen und als sich deren Qualität verschlechterte, legte man natürlich Wert auf Münzen "aus echtem Schrot und Korn".
Ebenso bezeichnete Männer gelten als aufrecht, ehrlich und zuverlässig.
Sich aus dem Staub machen
Sprachforscher vermuten, dass der Ausdruck entstanden ist, weil bei Schlachtengetümmeln einst so viel Staub in der Luft lag, dass Feiglinge problemlos verschwinden konnten. Mit Staub verwandt ist nebenbei auch "davon stieben", ein Pferd, das davonstiebt, hinterlässt Staubwolken.
sich entfernen; flüchten; fliehen
Ein Brett vor dem Kopf haben
Im Mittelalter gehörte ein "Brett vor dem Kopf" zur Arbeitskleidung der Schmiede, welche sich zum Schutz vor Funkenflug eine Art Schutzvorrichtung vor die Augen banden, welche meist aus einem Holzbrett bestand.
begriffsstutzig, uneinsichtig sein; nicht erkennen, was offensichtlich ist; nichts begreifen
Auf dem hohen Ross sitzen
Im Mittelalter konnte es sich nur der Adelsstand und Fürstenstand leisten als Ritter in den Krieg zu ziehen. Die Bauern und das Gesinde bildeten das Fußvolk.
eingebildet, blasiert, aufgeblasen, überheblich, hochmütig, arrogant sein 
Jemand einen Korb geben
Im Mittelalter wurden Lebensmittel und andere Verkehrsgüter meist mittels eines Korbes, der von den Burgzinnen herab gelassen wurde, ins Burginnere geholt. Dies wurde von vielen Männern ausgenutzt mittels dieses Transportmittels zu den Mägden oder Burgfräulein in die Burg zu gelangen.
jemanden zurückweisen
Ein X für ein U vormachen
Hier ist zu bedenken, dass man im Mittelalter noch römische Zahlen schrieb und ein X für die Zahl 10 und ein V für die Zahl 5 stand. Im Schreibverkehr wurde das U als V geschrieben. Fügte man nun beim V die beiden unteren Striche hinzu, so entstand ein X, aus der Zahl 5 wurde die Zahl 10
jemanden täuschen, beschwindeln, in die Irre führen
Spinnen am Morgen, Kummer und Sorgen, Spinnen am Abend, erquickend und labend.
Es bedeutet, dass früher nach der Arbeit das Spinnen in der Wohnstube als angenehme Freizeitbeschäftigung gesehen wurde. War man allerdings gezwungen bereits früh mit dem Spinnen zu beginnen, so verdiente man mit dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt und der wurde damals mehr als kärglich entlohnt.
leider keine aktuelle "Übersetzung" bekannt
Keine Umstände machen
Im Mittelalter war es üblich bei Versprechungen und Gelöbnissen, wie Eheversprechen oder Treueeide, um die Vertagspartner einen Kreis zu bilden, innerhalb welchem sie ihre Versprechungen leisteten. Mit anderen Worten man "umstand" die Vertragsparteien. War das gegebene Versprechen nicht wichtig, so war es auch nicht nötig einen "Umstand" zu machen.
Etwas erscheint nicht wichtig
Da liegt der Hund begraben
vom Volksmund verbalhornte Wort Hund leitet sich vom althochdeutschen "huond", " Schatz" ab. Wenn man also wusste wo der "Hund begraben lag", dann wusste man die Lagerstelle eines Schatzes oder eines Versteckes.
Das ist der entscheidende, der schwierige Punkt; Das ist es, worauf es ankommt; Das ist die Ursache des Übels

Dort ist es langweilig; Dort ist nichts los; Dort sind nur wenig Menschen
Auf großem Fuß leben
Im 12. Jahrhundert erfand der Graf von Anjou wegen seiner deformierten Füße spitze Schnabelschuhe und machte so aus der Not eine Tugend. Denn dadurch wurde die Schuhgröße zum Maßstab für gesellschaftliches Ansehen. Wer also damals auf großem Fuß lebte, war reich.
gut, luxuriös, teuer, aufwändig leben; viel Geld ausgeben 
Sein Scherflein beitragen
Ein halber Pfennig wurde im Mittelalter als "Scherf" bezeichnet. Wer also sein Scherflein zu etwas beitrug gab zwar, aber eben nur sehr wenig.
einen Anteil zu etwas beisteuern; einen Beitrag leisten; mitwirken 
keinen Heller wert sein
Ein Heller war die im 12. Jahrhundert geprägte Münze der Reichsmünzstätte Schwäbisch Hall. Sie entsprach einem Pfennig, war aus dünnem Silberblech und somit nicht viel wert.
etwas ist völlig wertlos
"heiliges" Blechle
Eine kleine Blechmarke, die es in den aufkommenden Städten erlaubte (vor allem vor den Kirchen) zu betteln. Die ersten kommunalen Ausweise der Armenversorgung.
Schwäbischer Ausdruck des Erstaunens oder auch eine Bezeichnung für das Auto.
Für jemand eine Lanze brechen
Lanzen wurden grundsätzlich in Turnieren gebrochen, dann nämlich, wenn der Ritter die Rüstung oder den Schild seines Kontrahenten traf und damit den Zweikampf gewann. Da die Ritter meist für eine Frau ins Turnier zogen, brachen sie also die Lanze für die "Dame ihres Herzens", um dieser ihre Zuneigung zu beweisen und ihr den Sieg zu widmen.
sich für jemanden oder etwas einsetzen; jemanden bzw. etwas unterstützen
Bankert
Dieser Ausdruck für ein "uneheliches" Kind kommt daher, dass früher die Mägde nicht in eigenen Kammern oder Betten, sondern auf der Ofenbank schlafen mussten. Auf diesen Bänken vom Dienstherrn gezeugte nichteheliche Kinder wurden somit als "Bankerten" bezeichnet.
auch heute noch die Bezeichnung für ein "uneheliches" Kind
Blaumachen
Die Färber des Mittelalters verwendeten um blaues Tuch herzustellen die zerriebenen Blätter der Waidpflanze und vermischten diese mit Urin. Dieser Brei gärte dann einige Tage, dies konnte durch Beigabe von Alkohol verstärkt werden. Durch Trinken des Alkohols reicherte sich dieser im Urin an und man verband so das Angenehme mit dem Nützlichen. Nachdem aber das Tuch sich bei Eintauchen in diese Masse nicht sofort blau färbte, sondern diese Farbe erst nach einem Tag Aushängen über die Farben Gelb und Grün erreichte, gab es für die Färber immer einen arbeitsfreien Tag
schwänzen; nicht zur Arbeit gehen; grundlos fernbleiben; unentschuldigt fehlen
Blaues Wunder erleben
Auch dieser Begriff kommt aus dem Bereich des Stofffärbens, denn wie schon oben beschrieben, färbte sich der Stoff welchen die Färber aus der Urin und Waidpflanzenmasse zogen erst im Verlauf eines Tages von gelb über grün nach blau. Wer also dabei zusah konnte im wahrsten Sinn des Wortes "ein blaues Wunder erleben".
unangenehm überrascht werden; ein schlimmes Ereignis, eine böse Überraschung erleben.
Das Heft in die Hand nehmen
althochdeutsch: "hefte" welches gleichbedeutend mit dem heutigen Wort "Griff" ist. Wer also damals "das Heft in die Hand nahm", griff zum Schwert um Macht zu zeigen. Das sich aber nur Edelleute und Ritter bewaffnen durften, hatte im Mittelalter also immer der höher gestellte "das Heft in der Hand" und das Volk hatte sich nach seinen Befehlen zu richten.
Wer das Heft in die Hand nimmt, zeigt "wo es lang geht".
Die Felle davon schwimmen sehen
Im Mittelalter wusch man die frisch abgezogenen Felle der Tiere immer am Bach oder am Fluss. Passte man nicht auf, oder rutschte einem das Fell aus der Hand, so nahm die Strömung es mit und man konnte es buchstäblich davon schwimmen sehen.
jemand sieht seine Interessen gefährdet; jemand muss seine Hoffnungen aufgeben; jemand fürchtet einen Nachteil für sich
Die Katze im Sack kaufen
Früher wurden Ferkel, um sie am Weglaufen zu hindern, auf den Märkten grundsätzlich in zugebundenen Säcken verkauft. Betrüger steckten jedoch statt Ferkel Katzen in Säcke; wollte der Käufer das Tier sehen, so wurde ihm das mit dem Bemerken, das quicklebendige Ferkel könne weglaufen, verwehrt.
etwas kaufen, ohne es vorher gesehen, geprüft zu haben; sich auf etwas Unbekanntes einlassen
Etwas auf die hohe Kante legen
Im Mittelalter hatten die Betten in den Bürgerhäusern meist einen Baldachin, der von soliden Holzbalken gehalten wurde. Hatte man Erspartes und wollte dieses vor der Umwelt verstecken, so legte man es auf eben diese Holzbalken des Baldachins und somit auf "die hohe Kante.
Geld sparen
Jemandem einen Denkzettel verpassen
Schüler und Lehrlinge, welche eine Aufgabe oder einen Auftrag nicht zur Zufriedenheit des Lehrers oder des Meisters erfüllten, erhielten im Mittelalter einen Zettel um den Hals gelegt, auf dem ihre Fehler aufgelistet waren. Diesen Zettel mussten sie eine bestimmte Anzahl von Tagen mit sich herumtragen, so dass jeder von ihrer Unfähigkeit wusste.
Vergeltung üben; sich rächen; mit jemandem abrechnen; sich revanchieren
Das kommt mir spanisch vor
Als König Karl I. von Spanien zum deutschen Kaiser Karl V. gekrönt wurde, brachte er viele Sitten und Gebräuche des spanischen Hofes mit nach Deutschland. So kam eben vielen Höflingen alles "etwas spanisch" vor.
etwas kommt einem seltsam, verdächtig vor
Ins Fettnäpfchen treten
Früher stand neben dem Ofen immer ein Napf, in welchem Stiefelfett aufbewahrt wurde, damit es durch die dort herrschende Wärme geschmeidig blieb. Kam vom vom Regen oder Schnee in einen bewohnten Raum, so fettete man seine Stiefel damit ein, damit diese keine Flecken bekamen. Trat man in eines dieser Näpfchen und kippte man es um, so war dies eine Ungeschicklichkeit, die das Gespött der anderen nach sich zog.
sich ungeschickt, unsensibel verhalten; jemanden versehentlich beleidigen; jemanden durch eine unbedachte Äußerung kränken; etwas Peinliches tun; Anstoß erregen
Auf den Zahn fühlen
Viehhändler der "guten alten Zeit" konnten anhand des Zustandes der Zähne im Maul eines Pferdes erkennen, wie alt das Tier war.
jemanden ausfragen, aushorchen; versuchen, jemandes Fähigkeiten oder Gesinnung zu ergründen; eine Sache untersuchen 
Auf dem Holzweg sein
Wurden im Wald Bäume geschlagen, so ebneten die Waldbesitzer vom Schlagort bis zum nächsten begehbaren Waldweg einen schmalen Pfad, auf welchem die Bäume zum Abtransport meist von Pferden gezogen wurden.
in einer Sackgasse stecken, sich irren
Es faustdick hinter den Ohren haben
Im Mittelalter glaubten die Leute, dass Dämonen welche für die List, den Schalk und die Durchtriebenheit zuständig waren hinter den Ohren der betreffenden Personen saßen und diesen die Gemeinheiten zuflüsterten. Wer also überaus durchtrieben und hinterlistig war hatte es dann eben "faustdick hinter der Ohren".
erfahren, raffiniert, gerissen, gewieft, durchtrieben, ausgebufft, schlau, leistungsfähig sein 
Von der Pike auf erlernen
Die Pike war im Mittelalter eine etwa 4 Meter große Lanze, welche im Krieg von den Pikenieren getragen wurde. Diese Pikeniere bildeten die unterste Schicht der Landsknechte und hatten die gefährlichste Aufgabe im Kampf zu leisten, nämlich Mann gegen Mann zu kämpfen. Nur wer den Kampf als Pikenier überlebte, hatte die Chance in der Rangordnung aufzusteigen. Er lernte also "von der Pike auf" zu überleben und bekam erst dann die Gelegenheit in höhere Mannschaftsränge aufzusteigen.
etwas gründlich gelernt haben; viel Erfahrung besitzen; etwas von Grund auf gelernt haben 
Lehrgeld zahlen
Früher war es nicht üblich, die Lehrlinge zu entlohnen. Im Gegenteil, die Eltern mussten dem Lehrherrn für die Ausbildung ihres hoffnungsvollen Sprosses einen bestimmten Betrag pro Lehrjahr entrichten; sie zahlten also Lehrgeld für ihn. Hatte der junge Mann aber zwei linke Hände oder war für den Beruf nicht geeignet, so konnten die Eltern bei Abbruch der Lehre verlangen, dass "das Lehrgeld wieder ausbezahlt" wurde.
durch Schaden lernen 
Armer Tropf
Früher gab es Häuser, deren Grundstücksgrenzen an der Traufrinne oder Tropfrinne, heute Regenrinne, endeten, also ohne Garten oder Vorweg. Diese Häuser wurden meist von armen Leuten bewohnt, welche sich keine großen Grundstücke leisten konnte. Die Bewohner eines solchen Hauses waren also "ein armer Tropf".
ein armer, gebeutelter Mensch; jemand, der viel Pech hat
Das ist Augenwischerei
Vermutlich geht die Redewendung auf Quacksalber und Wunderheiler zurück: Sie wischten den Kranken die Augen lediglich mit einer Salbe aus, heilten sie aber nicht.
etwas ist Betrug
Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben
Wer Nachtwächter war, hatte im Mittelalter den am wenigsten geachteten Beruf: Er musste durch die Städte ziehen und jede volle Stunde in sein Horn blasen. Für diesen schlecht bezahlten Job musste man also nur tuten und blasen können.
keine Ahnung von etwas haben; inkompetent sein; keinen Sachverstand besitzen 
Torschlusspanik
Im Mittelalter wurden abends die Stadttore geschlossen, um die Bewohner zu schützen. Wer außerhalb der Stadt war, durfte den Torschluss nicht verpassen. Wer nach Torschluss kam, musste zum Beispiel in Leipzig bis 1824 eine Einlassgebühr zahlen.
Angst haben, keinen Partner, keine Partnerin mehr zu bekommen und deshalb schnell eine Bindung eingehen; Angst haben, nichts mehr ab zu bekommen; Angst haben, persönliche Ziele meist aus altersbedingten Gründen nicht mehr zu erreichen 
Sich am Riemen reißen
Zugtiere werden durch Reißen am Zügel in die richtige Richtung gezwungen.
sich nicht gehen lassen; sich zusammennehmen; sich zurücknehmen; etwas tun, was wichtig ist, auch wenn man dazu keine Lust hat; sich Mühe geben 
Eine Retourkutsche fahren
Die Redensart kommt von französisch retour und geht auf Kutschen zurück, die wie Linienbusse eine Strecke hinfuhren und zurückfuhren.
eine Antwort, Entgegnung, Reaktion; eine kleine Vergeltungsmaßnahme 
Etwas abklappern
Bei der Treibjagd wurde das Wild mit Holzklappern aus dem Unterholz gejagt.
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