Man hört immer wieder, im Mittelalter habe man geglaubt, dass die Erde eine Scheibe sei, und insbesondere die Kirche habe dies gelehrt und mittels der Inquisition sogar Leute verbrannt, die anderer Auffassung waren. Eine derartige Kirchenlehre hat es jedoch nicht gegeben. Die kirchliche Lehrmeinung war, in Anlehnung an die Lehre des Griechen Ptolemäus, dass die Erde das Zentrum Weltalls sei, aber dass sie eine Kugel ist, gehörte zum ptolemäischen Weltmodell und war Allgemeinwissen.
Griechische Wissenschaftler hatten schon in der Antike nachgewiesen, dass die Erde eine Kugel ist und auch ihren Umfang gemessen. Aristoteles schrieb ein Werk, in dem er erklärt, woran man die Kugelgestalt der Erde erkennt. Aristoteles war nicht nur von der Kirche akzeptiert, er galt in der Kirchenlehre des Mittelalters als grundlegende Autorität in naturkundlichen Fragen.
Im spätantiken Christentum des 1. bis 6. Jahrhunderts gab es einige wenige Autoren, die eine Scheibengestalt der Erde lehrten, doch nach dem 6. Jahrhundert wird in einer Fülle von Quellen von der Erdkugel gesprochen.
Neben den Textquellen existieren zahlreiche bildliche Darstellungen der kugelförmigen Erde. Auch symbolische Gegenstände, wie zum Beispiel der Reichsapfel, zeugen vom Wissen über die Kugelgestalt der Erde.

 

Das mittelalterliche Weltbild wurde wie folgt beschrieben:

Die Erde steht im Mittelpunkt des Weltalls. Sonne, Mond und fünf Planeten bewegen sich in sieben übereinander gelagerten Himmeln in verschiedenen Geschwindigkeiten um die Erde, welche im Zentrum schwebt. Die anderen Sterne sind unkörperlich und ohne Schwere, und hängen frei im Himmelsraum der achten Sphäre, oder sind an diese geheftet. Über dieser wölbt sich die neunte Sphäre, der crystallinische Himmel. Darüber ist die stillstehende zehnte Sphäre, die Feuersphäre. In dieser thront Gott mit seinem Sohn und den Auserwählten, während die anderen Seligen nach Maßgabe ihrer Würdigkeit in den anderen neun Sphären verteilt sind.

Im Mittelpunkt der Erde ist die Hölle, der Aufenthaltsort der Verdammten und der gefallenen Engel, und ebendaselbst oder an der anderen Halbkugel der Erde befindet sich der Berg des Fegefeuers, der Ort, wohin die abgeschiedenen Seelen zuerst wandern, der Hades der Alten.

 

Die irrige Vorstellung über das mittelalterliche Weltbild lässt sich auf die Zeit der Aufklärung zurückführen. Diese Zeit war geprägt von dem Bemühen. sich von Kirchen- und Mönchstum abzugrenzen und die den Klerus generell als ungebildet und wissenschaftsfeindlich abzustempeln. Das vermeintlich flache Weltbild passte so besonders gut als Objekt der Ironie.

Die Wiederentdeckung der Weltbeschreibung des Cosmas Indicopleustes Monachus, der eine flache, rechteckige Erde beschrieb, förderte diesen Irrglauben, da man das Werk des Cosmas als repräsentativ ansah. In der Tat war aber Cosmas ein eher obskurer Autor, der so gut wie keine Anhänger besaß.

Der amerikanische Historiker J.B. Russell hat die Herkunft der Vorstellung erforscht. Sein Ergebnis ist: Vor etwa 1830 glaubte niemand, dass die Menschen des Mittelalters sich die Erde als Scheibe vorgestellt hätten.

Das Thema der Form der Erde wird zudem noch meist mit einem anderen Streitpunkt der Weltvorstellung vermischt - nämlich mit der Frage, ob die Welt geozentrisch ist. Die Diskussion, die Leute wie Galilei, Kepler oder Bruno angestoßen hatten, ging nicht darum, dass die Erde eine Kugel ist sondern dass sie sich um die Sonne bewegt und nicht das Zentrum des Universums ist. In dieser Frage gab es in der Tat eine starke Opposition der Kirche gegen das heliozentrische Weltbild.

 

Astronomie im Mittelalter

Die Astronomie war die Lehre der Himmelskörper. Dies schloss auch die Astrologie mit ein, was durchaus ein von der Kirche geduldeter Zweig der Wissenschaften war.

 

Astronomie (griechisch = Sternenkunde). Die mittelalterliche Astronomie, zweite Klasse des Quadriviums, stand im Schatten der Astrologie und beruhte bis zur kopernikanischen Wende (um 1550) auf dem geozentrischen Modell des Claudius Ptolemäus (um 87 - um 150), der sich wiederum auf die Kosmologie des Aristoteles berief. Das Handbuch des Ptolemäus zur Astronomie, die "Megisté syntaxis", erschien um 800 als "Almagest" in arabischer Sprache, und stand unter diesem Namen von 1175 an christlichen Astronomen auch in lateinischer Sprache zur Verfügung. (Der Almagest enthielt eine Darstellung des geozentrischen Weltbildes, mathematische Formeln zur Astronomie, Theorien zu den Bahnen von Sonne, Mond und Planeten, einen Fixsternkatalog und Berechnungen von Sonnen- und Mondfinsternissen.) Die Nachfolger des Ptolemäus brachten keine wesentlichen Neuerungen, lediglich die astronomischen Tafeln der Planetenwörter wurde aktualisiert. So in den "Alfonsinischen Tafeln" von 1252 und in den Nürnberger "Ephemerides Astronomicae" (vollendet 1496). Die Kirche förderte von jeher das Studium der Astronomie, da sie an einer genauen Bestimmung des Osterdatums und der Zeiten der Stundengebete interessiert war.

Wohl das wichtigste Problem, das sich aus dem geozentrischen Weltbild aristotelischer und ptolemäischer Prägung ergab, war das der Planetenbewegungen. Für deren Umlauf galt als unabdingbare Voraussetzung die Einhaltung einer idealen Kreisbahn. Im Widerspruch dazu stand jedoch die Beobachtung gelegentlich rückläufiger Bewegungen und Bahnschleifen. Ptolemäus und einige seiner Kollegen bedienten sich zur Erklärung dieser Tatsache eines Systems von "Epizyklen" (griechisch = Nebenkreise). Darunter sind untergeordnete Kreisbahnen der Planeten zu verstehen, deren Mittelpunkte sich auf der kreisförmigen Umlaufbahn (Trägerkreis) fortbewegen, demnach Nebenkreise auf dem idealen Hauptkreis darstellen. Um die beobachteten Erscheinungen mit dem geozentrischen Modell in Einklang zu bringen, mussten Dutzende von Epizyklen und anderen Hilfskonstruktionen eingeführt werden. (Erst die Wiederbelebung des heliozentrischen Systems und die Annahme einer täglichen Erdumdrehung durch Kopernikus (1473-1543) sowie die Entdeckung der elliptischen Bahnen der Planeten durch Kepler (1571-1630) machten das System der Epizyklen überflüssig.) Als bedeutende Astronomen des Hochmittelalters seien Roger Bacon und Nikolaus von Oresme genannt. Spätmittelalterliche Kapazitäten waren Lorenz von Ratibor, Georg von Peurbach und sein Schüler Regiomontanus. Außer den genannten Schriften zur Astronomie seien als weitere Beispiele genannt: „Tractatus de sphaera“ des Johannes von Sacrobosco, „Theorica planetarum“ des Campanus von Novara und die „Theorica novae planetarum“ des Georg von Peurbach.

 

Eckdaten:

1250 Entstehung der Planetentafeln des Alfons X. von Kastilien

1460 Erste deutsche Sternwarte wird in Nürnberg gegründet (Regiomontanus)

 

Alchemie und Chemie im Mittelalter

11. Jahrhundert Alkohol durch Destillation

13. Jahrhundert Mineralsäuren

14. Jahrhundert Schwarzpulver

1530 Begründung der wissenschaftlichen Chemie (Paracelsus)

 

 

Geographie im Mittelalter

um 1000 nach Christus waren ca. 8,10% der Erdoberfläche und ca. 15,20% der Landfläche (ohne Meer) entdeckt worden

um 1500 nach Christus waren ca.22,10% der Erdoberfläche und ca. 25,00% der Landfläche (ohne Meer) entdeckt worden.

 

 

Mathematik im Mittelalter

um 700 - Das Zeichen Null (0) wird in Indien in die Mathematik eingeführt; es erlaubt das Positionsrechnen

850 Al Chwarizmi schreibt seine »Algebra«

1202 Leonardo von Pisa verwendet arabische Ziffern im kaufmännischen Rechnen

1518-1550 A. Ries(e) veröffentlicht die ersten deutschen Rechenlehrbücher

 

 

Medizin im Mittelalter

400-1000 Mönchsmedizin im Abendland, das Wissen um diese Medizin bleibt jedoch in den Klöstern

600-1500 islamische Medizin: Übernahme und Weiterverbreitung des antiken Wissens in arabische Übertragungen. In Ägypten und Spanien entstehen selbstständige Ärzteschulen

1137 Beginn der Universitätsmedizin

1231 Medizinalordnung Kaiser Friedrichs II., Trennung von Apotheker und Arzt

um 1300 Die Harnschau wird eines der wichtigsten diagnostischen Verfahren

1493-1541 Paracelsus übt Kritik an der alten Medizin; Begründer der latrochemie, wonach die Lebensvorgänge und krankhaften Veränderungen des Organismus auf chemischen Vorgängen beruhen und daher mit chemischen Mitteln beeinflussbar sind; legt die "Grundlagen der modernen Medizin"

1543 Erster historisch belegter Kaiserschnitt, A. Vesal schafft das erste vollständige Buch der Anatomie

1628 W. Harvey veröffentlicht seine Entdeckung des Blutkreislaufs. Er ist Begründer der modernen Physiologie

 

 

Europäische Universitäten im Mittelalter nach Gründungsjahr (Auszug):

1065 Parma
1119 Bologna
um 1170 Oxford
1175 Modena
um 1209 Cambridge
1218 Salamanca
1222 Padua
1276 Perugia
1289 Montpellier
1224 Neapel
1229 Toulouse
1240 Siena
1253 Paris
1254 Sevilla
1290 Coimbra
1290 Lissabon
1290 Marcerata
1303 Rom
1321 Florenz
1339 Grenoble
1339 Pisa
1346 Valladolid
1348 Prag
1361 Pavia
1364 Krakau
1365 Wien
1386 Heidelberg
1388 Köln
Joomla templates by a4joomla